Lampedusa ist die größte der drei Pelagischen Inseln, einer Inselgruppe im Mittelmeer zwischen Tunesien, Malta und Sizilien gelegen und hat eine Fläche von 20 km². Dauerhaft sind auf der Insel etwa 4500 Menschen ansässig, die Bewohner leben vom Tourismus, vom Fischfang und von der Produktion von Fischkonserven.
Seit Jahren verstärkt sich auf Lampedusa der Zustrom afrikanischer Flüchtlinge, die versuchen, von Tunesien und Libyen aus über Lampedusa und Sizilien den europäischen Kontinent zu erreichen. Immer wieder kommt es dabei zu Schiffsunglücken mit Todesopfern.
2003 wurden 8.000 Flüchtlinge registriert, 2004 bereits 13.000 und 2005 verzeichnete man über 20.000 illegale Einwanderer auf der Insel. Seit Beginn des Jahres 2011 (vor allem nach den Unruhen in Afrika) ist die Zahl schon auf über 33.000 Flüchtlinge gestiegen.
Lampedusa gilt als Vorposten der italienischen Behörden, illegale Einwanderer auf ihrem Weg nach Europa abzufangen. Es gibt zwei Auffanglager, ein größeres im Osten (Imbriacola für ca. 800 Flüchtlinge) und ein kleineres im Westen (Loran für ca. 200 Flüchtlinge). In Imbriacola befanden sich im Jahr 2011 durchschnittlich 1.700 Menschen, in Loran 450. Ehemalige Flüchtlinge protestieren gegen die inhumane, haftähnliche Situation in den heillos überfüllten Lagern.
Wolfgang Mörth:
Früher: Lampedusa, der Sehnsuchtsort für Dichter, Künstler, Schwärmer aller Länder, die sich dort, an einem der südlichsten Außenposten Europas, Stärkung erwarteten, Inspiration, Befreiung, vor allem aus den Zwängen der Bürgerlichkeit. Lampedusa auch als Absprungsort, weg von diesem alten, abgenutzten Kontinent. Und heute: Lampedusa als Sehnsuchtsort für Flüchtlinge aus Afrika, Absprungsort aus ihrer Armut und Machtlosigkeit hinauf nach Norden, ins alte, reiche Europa. Dieser Wechsel der Perspektive, diese seltsame Symmetrie, taugt als Grundmotiv für eine Geschichte, deren Figuren aus zwei verschiedenen Welten stammen. Lampedusa ist der O-Punkt, auf den sich die Magnetnadel von beiden Seiten ausrichtet. Eine Leerstelle, die sich mythisch aufladen lässt, obwohl der Ort selbst den Mythos durch nichts rechtfertigt. Falsche Sehnsucht, falsche Hoffnungen. Wo der Anfang sein soll, ist gleich das Ende. Vor diesem Hintergrund sollte sich die dramatische Handlung eines Oratoriums effektvoll entfalten lassen.
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