Gibt es etwas Unangenehmeres, als auf einen Weltuntergang zu warten, der einfach nicht kommen will? Fünf Schauspieler stehen versetzt zueinander auf der Bühne, die Arme erhoben, die Gesichter erwartungsvoll. Sie spielen die Mitglieder der McFamily, die angesichts der prophezeiten Erlösung schier in Verzückung geraten. Doch dann passiert: nichts. Obwohl sie alles getan haben, was McManson, der charismatische Anführer ihrer Gemeinschaft, von ihnen verlangt hat. Für ihn haben sie sich ihrer bunten Hippie-Klamotten samt ihrer aus Pappe und Krepp-Papier zusammengebastelten Masken entledigt und sich in jeansblaue Einheitskleidung gehüllt. Beseelt haben sie sich von McMansons Aura einfangen lassen, seinen Versprechungen von Freiheit und Glückseligkeit geglaubt, mit Drogen und Gruppensex experimentiert, seinen wilden Hass gegen nicht näher benannte 'Feinde' aufgesogen. 'Helter Skelter, Armageddon, Fin, The End!', skandieren sie nun enttäuscht, so lange, bis sie eine Lösung für ihr Problem gefunden haben: Wenn der Untergang nicht von selbst kommt, muss man ihn eben mit Gewalt herbeiführen.
Mit 'McFamily' hat der österreichische Regisseur Philipp Preuss sein erstes eigenes Theaterstück verfasst, eine Auftragsarbeit für das auf Erstaufführungen spezialisierte Theater Kosmos in Bregenz. Ausgehend von Charles Mansons 'Family' und unter Verwendung von Zitaten von Euripides, Walter Benjamin und Valerie Solanas ist sein Text eine Mischung aus Gesellschafts- und Medienschelte und assoziativem Allerlei geworden. Damit macht es Preuss, der selbst Regie geführt hat, seinem Publikum nicht leicht: Die Dialoge machen in Sekundenschnelle Gedankensprünge von Manson zu McManson zu Menschensohn und die Bühnenhandlung will die Geschichte der realen Manson-Family erzählen, gleichzeitig aber auch allgemeine Betrachtungen zur freien Marktwirtschaft loswerden. Preuss" durchaus provokante These geht beinahe unter: Im Grunde seien die Methoden kapitalistischer Staaten denen von Sekten sehr ähnlich. Schließlich wendeten beide Gehirnwäsche an, indem sie auf der einen Seite Freiheit versprächen, während sie auf der anderen die Angst vor angeblichen Bedrohungen schürten.
Austauschbar ist in der Inszenierung auch der Sektenführer: McManson ist nur durch eine schwarze Lockenperücke präsent, die immer wieder von einem Schauspielers zum nächsten wandert. Kaum haben sie sich die Perücke aufgesetzt, werden die bisher haltlosen Figuren zu selbstsicheren Demagogen, die bis zur totalen Verausgabung Hass- und Erweckungsparolen heraus- und des öfteren auch den Zuschauern direkt ins Gesicht brüllen. Das ist zwar recht witzig, weil Preuss die Schauspieler hemmungslos übertreiben lässt, offenbart aber zugleich die Mängel der Inszenierung: Auf der Bühne ergeben der kritische Kommentar zum Zeitgeist und der Wunsch zu unterhalten kein Ganzes, und so wirkt der Weg in den Zuschauerraum wie eine Notlösung. Damit ist am Ende zwar nicht das Thema, dafür aber das Publikum erschöpft. MARIUS NOBACH