"APA vom 29.01.2011"

Sündige Uraufführung in Bregenz: "7 Todsünden" als Gesellschaftsbild

Sieben Vorarlberger Autoren lieferten die Texte für Auftragswerk des Theater Kosmos

Bregenz (APA)

Im Auftrag des Theater Kosmos haben sich sieben Vorarlberger Autoren mit den Todsünden beschäftigt. Regisseur Augustin Jagg brachte die gelieferten Texte unter einen Hut und präsentierte die "Die 7 Todsünden" bei ihrer Uraufführung am Freitag modern und von religiösem Pathos befreit. Die Zuschauer der Premiere reagierten nach der dreistündigen Vorstellung verhalten und spendeten höflichen Applaus für die Schauspieler und das Produktionsteam, für das CIA - Seven Sins-Orchester gab es Sonderapplaus.

Verena Roßbacher bildet mit ihrem Text über die "Wollust" den Auftakt und gleichzeitig den Rahmen für das Auftragswerk. Anwar Kashlan präsentiert den Text in mehreren Teilen und schildert dabei ein sexuelles Abenteuer. Der Protagonist taumelt dabei willenlos zwischen realer und kosmischer Traumwelt.

Selbstironisch behandelt Wolfgang Mörth den "Neid". Er erzählt die Geschichte eines an sich zweifelnden Autors, der die Texte seiner Kollegen fürchtet. Er beklagt zudem sein Schicksal und dass für ihn nur noch der Text über den Neid übrig geblieben ist. Autobiografische Einflüsse womöglich nicht ganz ausgeschlossen. André Pilz thematisiert "Geiz". Aufhänger sind die Importe aus Entwicklungsländern und die entsprechenden Arbeitsbedingungen, um die Verkaufspreise gering zu halten. Geizig sein wird teuer erkauft - mit Menschenleben.

Einen durchaus komischen Unterton findet sich in der Interpretation der "Trägheit" von Michael Köhlmeier. Er beschreibt ein Gespräch zwischen einem Mann und einer Frau Geistig träge zeigen die beiden echte Schwäche wahrhaftig zu kommunizieren. Die Todsünde "Hochmut" ortet Gabriele Bösch in der Beziehung einer Mutter zu ihrer Tochter. Und Maximilian Lang zeigt, dass"Völlerei" uns in der heutigen Zeit in vielen Gestalten begegnen kann. Sei es in der Maßlosigkeit beim Alkoholkonsum, oder bei übermäßigem zeitlichen Einsatz für die Karriere. Monika Helfer
steuerte den Text zur Todsünde "Zorn" bei.

Wer bei "Die 7 Todsünden" einen roten Faden erwartet hat, wurde enttäuscht, es blieb am Ende bei der szenischen Aneinanderreihung von sieben Texten von unterschiedlichen Autoren. Die Darsteller - Anja Pölzl, Johanna Tomek, Reinhard Hauser und Anwar Kashlan - haben es gut verstanden, zwischen den Bildern und den verschiedenen Personen zu wechseln. Die Ausgestaltung der einzelnen Rollen blieb dabei aber teilweise auf der Strecke. Manchmal fehlte es an Intensität. Fazit des Abends: Todsünden sind in unserer Gesellschaft häufiger, als man denkt - zumindest in den Interpretationen der Vorarlberger Autoren.

Die Kompositionen von Peter Madsen bekommen in der Inszenierung von Augustin Jagg viel Raum und das bezieht sich nicht nur auf den tatsächlichen Platz im funktionell gehaltenen Bühnenbild von Stefan Pfeistlinger. Vielmehr entwickelt die Musik eine Eigendynamik. Statt verbindendes Element zu sein, entsteht eine überzeugende zweite Erzählebene, die auch für sich allein stehen könnte.