Sündige Uraufführung in Bregenz: "7 Todsünden" als Gesellschaftsbild
Sieben Vorarlberger Autoren lieferten die Texte für Auftragswerk des Theater Kosmos
Bregenz (APA)
Im Auftrag des Theater Kosmos haben sich sieben Vorarlberger Autoren mit
den Todsünden beschäftigt. Regisseur Augustin Jagg brachte die gelieferten Texte unter einen
Hut und präsentierte die "Die 7 Todsünden" bei ihrer Uraufführung am Freitag modern und von
religiösem Pathos befreit. Die Zuschauer der Premiere reagierten nach der dreistündigen
Vorstellung verhalten und spendeten höflichen Applaus für die Schauspieler und das
Produktionsteam, für das CIA - Seven Sins-Orchester gab es Sonderapplaus.
Verena Roßbacher bildet mit ihrem Text über die "Wollust" den Auftakt und gleichzeitig den
Rahmen für das Auftragswerk. Anwar Kashlan präsentiert den Text in mehreren Teilen und
schildert dabei ein sexuelles Abenteuer. Der Protagonist taumelt dabei willenlos zwischen realer
und kosmischer Traumwelt.
Selbstironisch behandelt Wolfgang Mörth den "Neid". Er erzählt die Geschichte eines an sich
zweifelnden Autors, der die Texte seiner Kollegen fürchtet. Er beklagt zudem sein Schicksal und
dass für ihn nur noch der Text über den Neid übrig geblieben ist. Autobiografische Einflüsse
womöglich nicht ganz ausgeschlossen. André Pilz thematisiert "Geiz". Aufhänger sind die Importe
aus Entwicklungsländern und die entsprechenden Arbeitsbedingungen, um die Verkaufspreise
gering zu halten. Geizig sein wird teuer erkauft - mit Menschenleben.
Einen durchaus komischen Unterton findet sich in der Interpretation der "Trägheit" von Michael
Köhlmeier. Er beschreibt ein Gespräch zwischen einem Mann und einer Frau Geistig träge
zeigen die beiden echte Schwäche wahrhaftig zu kommunizieren. Die Todsünde "Hochmut" ortet
Gabriele Bösch in der Beziehung einer Mutter zu ihrer Tochter. Und Maximilian Lang zeigt, dass"Völlerei" uns in der heutigen Zeit in vielen Gestalten begegnen kann. Sei es in der Maßlosigkeit
beim Alkoholkonsum, oder bei übermäßigem zeitlichen Einsatz für die Karriere. Monika Helfer
steuerte den Text zur Todsünde "Zorn" bei.
Wer bei "Die 7 Todsünden" einen roten Faden erwartet hat, wurde enttäuscht, es blieb am
Ende bei der szenischen Aneinanderreihung von sieben Texten von unterschiedlichen Autoren.
Die Darsteller - Anja Pölzl, Johanna Tomek, Reinhard Hauser und Anwar Kashlan - haben es gut
verstanden, zwischen den Bildern und den verschiedenen Personen zu wechseln. Die
Ausgestaltung der einzelnen Rollen blieb dabei aber teilweise auf der Strecke. Manchmal fehlte
es an Intensität. Fazit des Abends: Todsünden sind in unserer Gesellschaft häufiger, als man
denkt - zumindest in den Interpretationen der Vorarlberger Autoren.
Die Kompositionen von Peter Madsen bekommen in der Inszenierung von Augustin Jagg viel
Raum und das bezieht sich nicht nur auf den tatsächlichen Platz im funktionell gehaltenen
Bühnenbild von Stefan Pfeistlinger. Vielmehr entwickelt die Musik eine Eigendynamik. Statt
verbindendes Element zu sein, entsteht eine überzeugende zweite Erzählebene, die auch für
sich allein stehen könnte.
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