| Streeruwitz-Uraufführung: Traurigkeit
und Wut in der "Alleinwelt"
Bregenzer Theater Kosmos zeigt "Der Abend nach dem Begräbnis
der besten Freundin"
Bregenz (APA) - Die neueste Produktion des Theater Kosmos in Bregenz
beschäftigt sich mit
Sterben und Abschiednehmen. Marlene Streeruwitz' Ein-Personen Stück
"Der Abend nach dem
Begräbnis der besten Freundin" feierte am Freitagabend seine
Uraufführung. Der Text überzeugt mit
Dichte und Authentizität. Unter der Regie von Augustin Jagg glänzte
Alexandra Tichy in der
Hauptrolle. Das dezente, aber wirkungsvolle Bühnenbild von Peter
Büchele, bestehend aus
beweglichen Vorhängen, einer Couch und einem Kühlschrank,
geben der Gefühlswelt der Hauptfigur
den passenden Rahmen.
Zum Inhalt: Elisabeth, genannt Lilli, ist gestorben. Sie wurde durch
Krebs aus dem Leben gerissen.
Ihre beste Freundin ist auf dem Weg nach Hause und denkt über diesen
Abschied, über das Sterben
von Lilli, ihre Freundschaft und die vergangenen Jahre nach. Der Straßenverkehr
wird zum ersten
willkommenen Ventil für Schmerz und Wut über die ritualisierte
Trauer. "I did it my way" als
Abschiedshymne und Schweinshaxe mit Knödel als Leichenschmaus werden
dem Wunsch nach
einem würdevollen Abschied so gar nicht gerecht. Die Familie kannte
Lili nicht wirklich. "Da gibt es so
viele Rechnungen." In diesem Umfeld und unter diesen Umständen
fehlen der besten Freundin die
Tränen.
Das Leben der Verstorbenen bestand aus Karriere, Kindern, einem impotent
gewordenen Mann und
daraus resultierend wechselnden Liebhabern. Natürlich war man behilflich
beim "erotischen
Patchworking". So sammelte die Hauptfigur Ausstellungskataloge,
Eintrittskarten und Alibis für die
beste Freundin. Rastlos und wütend reflektiert sie jetzt ihre Freundschaft
zu Lilli. Und stellt bei der
Analyse ernüchtert fest, dass sie mit ihrem eigenen Leben nur eine
Nebenrolle war. "Ich war ihr
Tagebuch". Nach dem Tod von Lilli bleibt die Freundin zurück
in einer "Alleinwelt". Ungebraucht und
ohne Aufgabe. Die Freundschaft zu Lilli sieht sie jetzt ebenfalls in
einem neuen Licht. Sie fühlt sich
ausgenutzt, denn sie "durfte nie etwas brauchen."
Man wollte gemeinsam alt werden. Lilli hat dieses Ziel verraten. Auf
den Tod kann man sich nicht
vorbereiten - auch wenn er angekündigt durch Krebs kommt. Alle
haben versagt. Die letzten Worte
wechselte die Sterbenden wohl mit der Krankenschwester. So kommt es,
dass sich die Hauptfigur am
Ende von der Außenwelt zurückzieht. Sie hofft darauf, dass
der Tod mit jedem Schritt ein besserer
Freund werden möge und bittet am Ende: "Zeig mir, wo ich bleiben
kann." "Der Abend nach dem
Begräbnis der besten Freundin" steht noch bis zum 27. März
auf dem Spielplan.
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