"www.kulturzeitschrift.at vom 13.03.2010"
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Gewagt. Mutig. Eindrucksvoll. – Ein Abend leidenschaftlicher Wut im Theater Kosmos von Dagmar Ullmann-Bautz Mit der Uraufführung des Stückes „Der Abend nach dem Begräbnis der besten Freundin“ von Marlene Streeruwitz startete das Theater Kosmos in die diesjährige Spielsaison. Marlene Streeruwitz, 1950 in Baden bei Wien geboren, ist eine der bedeutendsten und politisch engagiertesten Gegenwartsautorinnen im deutschsprachigen Raum - ihre Stücke wurden und werden auf allen großen und namhaften Bühnen gespielt. Für das Theater Kosmos bedeutet es eine Auszeichnung und ein Geschenk an sein Publikum, diese Streeruwitz-Uraufführung in Bregenz präsentieren zu können. „Der Abend nach dem Begräbnis der besten Freundin“ ist ein erstaunlicher Text. Eine wortgewaltige, intelligente, emotionale Auseinandersetzung mit dem Tod, mit Krankheit, mit Freundschaft und Einsamkeit. Streeruwitz lässt die Icherzählerin vom Begräbnis ihrer Freundin nach Hause fahren, lässt sie einen Abend lang leidenschaftlich, wütend und mit trockner Ironie die mit der Freundin verbrachte Zeit Revue passieren, bis sie schlussendlich bei der Konfrontation mit dem eigenen Sterben ankommt. Vier Männer und eine Schauspielerin Die Themen „Tod, Krebs, Lügen und Affären“, um
die dieser Theaterabend kreist, sind nicht die Lieblingsthemen der Menschen,
nicht der Stoff, mit dem wir uns gerne auseinandersetzen, es sind Sujets,
die wir gerne unberührt lassen, einfach übergehen. Das Theater
Kosmos, allen voran Schauspielerin Alexandra Tichy, nimmt den Zuschauer
bei der Hand, nimmt ihn mit auf eine mutige Reise durch ein abgrundtiefes
Tal leidenschaftlicher Wut und Verzweiflung. Lichtzaubereien und der perfekte Ton Die Bühne zeigt sich als genuines und traumhaftes Gebilde –
transparente, weiße Wände, die sich erst noch waagrecht in
sich verschieben. Gegen Ende des Abends überraschen sie mit einem
eigenen kleinen Schaustück – bewegen sich in Spiralen, umhüllen
die Frau, frieden sie ein. In diesem Zusammenhang ist besonders das
Lichtdesign von Markus Holdermann hervorzuheben. Er versteht es, durch
Beleuchtung aus verschiedensten Perspektiven, unterschiedlichste Wirkungen
zu erzielen, den transparenten Stoff noch transparenter zu machen, ihn
fast verschwinden zu lassen, ihn zu schließen, eine Wand zu schaffen
oder wie am Ende des Stückes, einen in sich strahlenden Lichtkubus
zu zaubern. |