"ORF Radio Vorarlberg 28.11.2009"

 

"Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner"

Eine Kritik von ORF-Kulturredakteurin Ingrid Bertel

Der Advent ist die Zeit der Spendenaufrufe, und um einen solchen geht es in Ingrid Lausunds Stück "Benefiz - jeder rettet einen Afrikaner. Die bitterböse Komödie feierte am Donnerstag im Theater KOSMOS in Bregenz Premiere.

Mit Charity ins Rampenlicht
Michael Jackson hat’s getan, Bono tut’s die ganze Zeit und Bob Geldof sowieso – für einen guten Zweck kann man sich fantastisch ins Rampenlicht setzen. Die günstigste Zeit dafür ist der Advent. Da jagen einander die Charity-Galas und Spendenaufrufe –
und um einen solchen geht es auch in Ingrid Lausunds bitterböser Komödie "Benefiz". Fünf Schauspieler proben einen Abend, der zu Spenden für ein Hilfsprojekt in Afrika aufruft.

Eitelkeiten und echte Betroffenheit
Soll eine schwarze Kollegin mit von der Partie sein oder doch eher ein Promi?
Anita Wachter zum Beispiel? Nein, die brauche selbst ein Benefiz, befinden die
andern bissig. Und wie wär’s mit Gabi Fleisch? „Also bitte!“ sagt zickenhaft die
Diva (Daniela Gaets) unter den fünfen, „mein Name ist doch um etliches bedeutender!“

Eitelkeiten prallen auf echte Betroffenheit, politisches Engagement trifft Afrika-
Schwärmerei. Einer (Armin Schlagwein) hat ein tolles afrikanisches Lied mitgebracht.
Begeistert grooven alle mit „uku lulu le“, das hat Feuer – bis ein anderer
(Peter Hottinger) draufkommt: das Original ist der Faschingsbrüller „Klingelingeling,
hier kommt der Eiermann“. Peinlich ist das, eine Lüge!

Besser geht’s nicht!
Augustin Jagg inszeniert das Stück als Achterbahnfahrt der Gefühle, poetische,
berührende Momente kippen ins Lächerliche, Naivität (Tatjana Velimirov) verwandelt
sich in Rampengier (Armin Schlagwein) oder Wut (Hubert Dragaschnig). „Benefiz“
hat das Tempo einer gut geschriebenen Soap und den Tiefgang einer großen Komödie,
gibt Einblick ins Schauspielerleben und Durchblick auf die Beweggründe Gutes zu tun
– die lassen sich übrigens in die Tat umsetzen, denn an den „Probenabend“ ist ein
reales Afrika-Projekt gebunden.

„Benefiz“ ist aber auch und vor allem hinreissende Schauspielkunst und wundervolles
Zusammenspiel von fünf Komödianten, die keine fixe Rolle brauchen, sondern ihr
Publikum spiegeln – und das macht „Benefiz“ zum „Malefiz“. Besser geht’s nicht!