| Das Land ist völlig im Arsch»
BREGENZ - ...wird die junge Entwicklungshelferin Laura vom erfahrenen
Keith in Afrika begrüsst. Richard Bean nimmt in seiner bitteren
Komödie «Die Gottesbelästigung» über Sinn
und Unsinn von Entwicklungshilfe kein Blatt vor den Mund.
Umjubelte Premiere der deutschsprachigen Erstaufführung war am
Donnerstag im Theater Kosmos.
Während auf allen anderen Kontinenten die wirtschaftliche Entwicklung
zumindest bis zum Ausbruch der Finanzkrise in den vergangenen Jahrzehnten
einen so gut wie ständigen Aufschwung erfahren hat, kommt Afrika
traditionell nicht auf die Beine. Ist der europäische Imperialismus
immer noch schuld, oder liegt es irgendwie doch an den Afrikanern? Muss
noch mehr Entwicklungshilfe her, oder blockiert diese Afrikas Entwicklung?
«Die Gottesbelästigung» von dem britischen Dramatiker
Richard Bean, im Original «The God Botherers», hat keine
Lösung des afrikanischen Dauerdilemmas parat. Mit viel Sarkasmus
wird die Geschichte zweier britischer Entwicklungshelfer und zweier
Afrikaner, Einwohner des fiktiven Staates Tambia, erzählt, in der
so ziemlich alles schiefläuft, was zwischen Norden und Süden
nur schieflaufen kann. Und daran ist nicht nur die Religion schuld.
Besonders schlimm: Abgesehen davon, dass Regisseur Stephan Kasimir die
Handlung in einen afrikaförmigen, von einem Planschbecken umfluteten
Sandkasten verlegt hat, um zu veranschaulichen, dass das doch alles
nur «ein Kindergarten» sei, wie Laura schimpft, ist nichts
von dem, was in «Die Gottesbelästigung» verhandelt
wird, sonderlich übertrieben.
Dieser «Kindergarten» bietet jungen, naiven Europäern
Gelegenheit, sich gutmenschlich auszutoben: Erst kommt Laura (Diana
Kashlan), um dem frustierten Dauerentwicklungshelfer und anglikanischen
Altpunk Keith (Hubert Drashnigg) zur Seite zu stehen; aber Keiths Schwächen
(«Ich hab keinen Abschluss. Ich kann nur Entwicklungshilfe.»)
werden immer mehr offenbar. Laura wächst zunächst an ihren
Aufgaben, um dann genauso abzustumpfen. Am Schluss fällt Keith
infolge Ablebens aus, Laura rückt an seine Stelle, und eine neue
blauäugige Europäerin in Pluderhosen ersetzt Laura. So wird
sich das Rad ewig weiterdrehen. Auf der Strecke bleiben Ideale, Überzeugungen,
Hoffnungen und eben auch Menschen.
Kasimirs Inszenierung wahrt mit bemerkenswerter Sicherheit die Balance
zwischen Tragik und Komik. Die Schauspieler haben sich nicht nur typisch
britische und typisch «tambianische» Gesten perfekt antrainiert,
sie werden auch der beachtlichen Komplexität ihrer Charaktere voll
gerecht: Tatjana Velimirov etwa verkörpert hinreissend die fromme,
beschnittene und bedauernswerte Muslima und die gerissene Hure zugleich.
Arno Löffler online Bericht Liechtensteiner Volksblatt
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