VON SUSI DONNER
Im Theater Kosmos ist eine traumhafte Kulisseaufgebaut - klar und
geradlinig lässt sie den Schauspielern Platz für Bewegungen,
in diesem bewegenden Theaterstück, und Raum für Träume.
Es geht in diesem "Pflegeheimdrama" keineswegs pessimistisch
und düster zu. Die der Senilität, Alzheimer, Kleptomanie
und Depression verfallenen Protagonisten leben ein heiteres, charmantes,
geradezu beschwingtes Leben.
Die szenische Phantasie der Geschichte des dänischen,Autors
Christian Lollike und die Umsetzung durch die österreichischen
Regisseure, Gründer und Leiter des Theater Kosmos, Augustin
Jagg und Hubert Dragaschnig, zeichnen ein unerschöpfliches
Werk der Phantasie.
Ständiger Wechsel
Die Handlung kreist um Tabuthemen wie Sexualität im Alter
und natürlich auch um das Sterben. Der junge dänische
Autor verwebt geschickt die Erzählstränge zu einem homogenen,
humorvollen wie sarkastischen und schonungslosen Theaterstück,
das zwischen ruhigen, grotesken und surrealistischen Szenen wechselt.
Die Schauspieler brillieren durch intensives, elektrisierendes
Spiel. Das sind die beiden alten Käuze Kurt Bigger als blinder
Don Otto und Urs Obrecht als Biermann, die den Zuschauer authentisch
an ihrem Alter teilhaben lassen. „Es ist deine Aufgabe, Mumien
zu waschen, eingetrocknete Moorleichen. Wenn du uns nicht anfassen
willst, sollest du kündigen" sagt Biermann zu Pfleger
Bernhard (Günter Baumann), der die Alten nur widerwillig pflegt.
Die "Sängerin" kann ihre Gedanken nicht mehr finden.
Und schließlich Vera (Johanna Tomek), deren Hände nicht
nur fremdes Eigentum, sondern auch den jungen schönen Pfleger
Valentin (Bernhard Karner) begehren. Die Pflegeleiterin Frau Frauke(Anke
Siefken)wird von ihren Schützlingen bis in die Träume
ihrer angstvollen Nächte verfolgt, "wir sind die Hand,
die sie hält, am letzten Tag, wenn sie über die Brücke
müssen….Ieb wohl, leb wohl..." Valentin leidet unter
Liebeskummer, der labile Öh Walter (Bernhard Majcen) unter
Tablettensucht, die der skrupellose Bernhard befriedigt, ihn dafür
aber zu seinem Helfershelfer macht. Das Stück bleibt bis zum
Schluss in erwartungsvoller und spannender Schwebe, wirft skurril
und subtil gewohntes Denken durcheinander und berauscht durch intensive
Bilder.
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