Ein tödlicher - Alptraum
Heftigen Applaus gab es nach der Premiere der österreichischen
Erstaufführung von "Verwanzt" des US-Autors Tracy
Letts im Theater Kosmos.
|
VON BRIGITTE KOMPATSCHER
Es ist eine räumlich hermetisch abgeschlossene Welt, in der
sich die beiden Hauptfiguren von "Verwanzt", Agnes (Marion
Rottenhofer) und Peter (Julian Loidl) , bewegen: ein unscheinbares,
unpersönliches Motelzimmer (Bühne Sabina Kellner), in
das sich die 40-jährige Agnes nach vielen Enttäuschungen
verkrochen hat. Hier lernt sie auch Peter kennen, einen seltsamen
jungen Mann. Eine unbeholfene, vorsichtige Annäherung zweier
einsamer Menschen mit zentnerschwerer Vergangenheit erfolgt.
Eine Vergangenheit, die sich fatal auf die Gegenwart auswirkt:
Peter behauptet, als Soldat in der syrischen Wüste vom amerikanischen
Militär für medizinische Versuche missbraucht und verseucht
worden zu sein. Seine von paranoiden Verfolgungsängsten und
Verschwörungstheorien geprägte Gedankenwelt und daraus
folgende Handlungen erfassen auch Agnes und verwandeln das Motelzimmer,
in dem die beiden leben, in einen Bunker: Insektenvernichtungsmittel
gegen Wanzen, "die unsere Gehirne steuern sollen" (Peter)
und die überall sein sollen, Plastik- und Alufolien zur Abschirmung.
Alkohol und Drogen sind weitere wichtige Elemente in diesem gefährlichen,
blutigen Kosmos.
Es ist über weite Strecken eine abstruse Geschichte,
die in "Verwanzt" von Regisseur Augustin Jagg
genau und pointiert erzählt wird - ein wirres Gedankenkonglomerat,
das wohl nicht zufällig von einem amerikanischen Autor entworfen
wurde. Auf der anderen Seite stehen da zwei verzweifelte, verlorene
Menschen, die von Loidl (Peter) mitreißend und faszinierend
und von Rottenhofer (Agnes) mit einigen überzogenen theatralischen
Ausbrüchen dargestellt werden.
Verkörpern von den Nebenfiguren noch Agnes' Freundin RC. (Anna
Greiter) und ihr gewalttätiger Ex-Ehemann Jerry (erfrischend
Thomas Griess) angenehme Bodenhaftung, so ist ein plötzlich
auftauchender Dr. Sweet (Huber Dragaschnig) auch wiederum Bestandteil
des Mysteriösen und Unheimlichen. Mit der Aussage "Ich
bin sein Arzt, er ist mein Projekt" reiht er sich ein in den
Graubereich zwischen Realität und Wahn, lässt - so wie
die ganze Geschichte - offen, wie eine Wahrheit aus¬schaut,
wer im Besitz derselben ist. Ein Eindruck, der auch durch "
immer wieder auftretenden Hubschrauberlärm verstärkt wird.
"Verwanzt" steht ganz massiv an der Kippe zur
Unglaubwürdigkeit und fällt auch einige Male
- Timothy McVeigh, der Bombenleger von Oklahoma ist laut Peter ein
weiteres Opfer des Militärs -, wird aber vom Theater Kosmos
großteils sehr gut umgesetzt. Das Premierenpublikum war dem
Applaus nach zu schließen auf jeden Fall begeistert von der
Aufführung.
|
|