VON BRIGITTE KOMPATSCHER
Eine wellenförmige Umgebung mit viel Plüsch und Polstern,
in helle Farben getaucht (Ausstatter Vazul Matusz), bildet den Rahmen:
Freds Frau Anett kommt von einer Dienstreise zurück und ist
verliebt - allerdings nicht in ihren Mann. Und während Anett
(Doina Weber) ihrem langjährigen Ehemann (Hubert Dragaschnig)
, mit dem sie zwei Söhne hat, noch mit überschäumender
Begeisterung von ihrer Erfahrung erzählt - "das ist doch
unser beider Glück, was mir da passiert ist" - steht ihr
dieser mit einiger Fassungslosigkeit gegenüber. Aber damit
nicht genug: Anetts Objekt der Begierde steht auch noch vor der
Tür, der Einfachheit halber hat sie Manfred (Marko Pustisek)-
Typ Anzug, Sonnenbrille und Gel im Haar - gleich mitgebracht, mit
dem Hintergedanken, dass "wir alle zusammen leben".
Regisseur Augustin Jagg inszeniert Jaan Tättes unkonventionelle
Beziehungskomödie "Fasten Seat Belts" mit Schwung
und genauer Personenführung.
Traditionelle Vorstellungen von Beziehungen werden da ganz schön
durcheinandergewirbelt und mit liebevoll-ironischem Humor aufs Korn
genommen - überspitzt, aber ohne allzuviele Schärfen und
Kanten.
Unbekümmert und mit Witz strukturiert Anett ihr zukünftiges
Lehen neu: "Ich habe zwei Männer. Kannst du dir
das vorstellen, was das für ein Glück ist? Zwei Männer.
Ein Traum!". Doina Weber ist eine hinreißende Verkörperung
dieser Figur - konsequent und temperamentvoll fegt sie mit Schwung
über die Bühne und entpuppt sich als kongeniale (Dialog-)Partnerin
von Hubert Dragaschnig, dessen Pragmatismus und "Bodenständigkeit"
oder auch sein Verharren in den Strukturen einen witzigen Kontrast
ergeben. Pustisek hingegen überzeugt als immer schräger,
skurriler und überirdischer werdender Mann.
Ein komischer Moment reiht sich in "Fasten Seat Belts"
nahezu nahtlos an den nächsten, wobei auch einige
billige Späße einen Platz haben. Eine andere,' neue Spannung
in Spiel bringende Ebene kommt dann in dem Moment hinzu, in dem
auch die anhaltende Komik langsam ihre Strahlkraft zu verlieren
beginnt.
Anetts Gespräch mit ihrer Nachbarin Anna (Kristina von Holt),
die Fred seit Jahren anhimmelt, zeigt eine neue Facette auf: Frust
bei Anett wird da hörbar aufgrund der jahrelangen Belagerung
durch Anna. Als Fred dann auch noch gesteht, dass er Anett
ziemlich oft betrogen hat und Manfred allen, inklusive Anett, beweisen
will, „dass Sex überflüssig ist“,
wird die Situation langsam prekär. Die Ereignisse überschlagen
sich – „Fasten Seat Belts“ - , das Happy End naht.
Es wurde viel gelacht bei dieser Premiere, die
anschließend auch mit dementsprechend viel die Applaus belohnt
wurde.
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