"NippleJesus" im Theater Kosmos
Die österreichische Erstaufführung von Nick
Hornbys "NippleJesus" ist die letzte Produktion des Bregenzer
Theater "Kosmos" in diesem Jahr. Regisseur Dragaschnig
hat die Kurzgeschichte raffiniert inszeniert.
|
VON BIRGIT KÖHLMEIER
Das Premierenpublikum am Donnerstagabend war begeistert.
Kunst will bewacht sein, vor allem wenn sie so skandalträchtig
ist wie „NippleJesus“ - eine Darstellung der Kreuzigungsszene,
die bei genauer Betrachtung aus einer Collage von winzigen Busen-Fotos
besteht. David, ehemaliger Rausschmeißer in einem Nachtklub
und jetzt Aufpasser in einer Galerie, bewacht das provokante Kunstwerk.
Spannend und witzig erzählt er über sein Privatleben,
seinen neuen Job und dass er anfangs die Collage „ekelhaft“
fand.
Als David „die sympathische Künstlerin“ kennen
lernt, verteidigt er das Werk gegen „Spießer und Spinner“,
kann jedoch die Zerstörung nicht verhindern und muss feststellen,
dass dies gewollt und er nur Teil der Inszenierung war. „NippleJesus“
ist dem Erzählband „Speaking with the Angel“ (herausgegeben
von Nick Hornby) entnommen. Die Geschichte ist Hornbys eigener Beitrag
zu diesem Benefiz-Sammelband, dessen Einnahmen einer privaten Schule
für autistische Kinder zu Gute kommen.
Regisseur Hubert Dragaschnig hat den rund eine Stunde dauernden
Monolog des „Kunstbewachers“ David - hervorragend dargestellt
von Günter Baumann - originell inszeniert. Das Publikum wandert
wie in einer Kunstausstellung von Schauplatz zu Schauplatz. David
unterbricht seine Erzählungen immer wieder, um künstlerische
Videoinstallationen (Renate Djukic) zu präsentieren. Alles
in allem ein vergnüglicher, aber hintergründiger Theaterabend
über Kunst und Kommunikation, über „Auf- und Absicht“.
|
|