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Untertagblues in Bregenz:
"Wilder Mann" erliegt "Wilder Frau"

Augustin Jagg inszenierte in Bregenz Peter Handkes Stationendrama in raffinierter Schlichtheit

BIRGIT KÖHLMEIER

Bregenz (APA) - Spannung kann auch ohne aufwändiges Bühnenbild, mit wenig Requisiten und ohne Statisten erzeugt werden. Das beweist das Bregenzer Theater Kosmos mit Peter Handkes "Untertagblues". Regisseur Augustin Jagg orientiert sich weder an Claus Peymanns Berliner Uraufführung des Stücks (30. September 2004) noch an der österreichischen Erstaufführung im Akademietheater (7. Oktober 2004). Hubert Dragaschnig gelingt es als "Wildem Mann", das Publikum eineinhalb Stunden in seinen Bann zu ziehen und sich am Ende in einer filmreifen Kuss-Szene mit der "Wilden Frau" (Theresia Wegmann) auszusöhnen. Premiere war am Donnerstagabend.

Keine U-Bahn, keine Fahrgäste. Der "Wilde Mann" beherrscht allein die Szenerie auf der fast leeren, von überdimensionierten Säulen eingesäumten apricot/terracotta-farbenen Bühne. Ein Mikrofonständer im Vordergrund, ein Stuhl drei Stufen tiefer weit hinten, das ist alles, was Bühnenbildner Stefan Pfeistlinger (Leiter des Kärntner Theaters k.l.a.s) an Requisiten aufgeboten hat. Neonröhren erhellen den Raum, zucken, zerhacken den Monolog. Im Hintergrund ertönt "aus der Konserve" wunderbarer Blues des Kärntners Herwig Zamernig.

Kaum verklingt die Musik, legt Dragaschnig als "großer Stänkerer" los und richtet die Tiraden direkt ans Publikum - nicht lärmend und feixend mit weit ausladenden Gesten, sondern sehr subtil. Dragaschnig verlässt sich auf Handkes Text - ist ein von Hass erfüllter "Wilder Mann", der seine Gegenüber verachtet, ist spöttisch, enttäuscht, verzweifelt, traurig - nur langweilig ist er keine Minute.

Plötzlich erhebt sich aus der zweiten Reihe eine junge Frau, tritt forschen Schrittes auf die Bühne und bietet dem "Wilden Mann" Paroli. Die "Wilde Frau", Theresia Wegmann, die in Graz Schauspiel studierte und am dortigen Schauspielhaus derzeit in Vinterberg/Rukovs "Das Fest" mitspielt, hat eine Stunde lang gemeinsam mit dem Publikum den Weltekel des Grantlers über sich ergehen lassen. Jetzt kontert sie dem "Wilden Mann" mit Worten und becirct ihn mit blonden Locken, blauen Augen - und einem erdbeerroten Mund.