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"Man bringt keine kleinen beschissenen Kinder um"

Das Theater Kosmos zeigte am Sonntagabend die Premiere von "Der Kissenmann" von Martin McDonagh in Bregenz.

VON ULRIKE BREIT

Katurian wird verhört, ohne zu wissen warum. Er wird geschlagen, ohne zu wissen wofür. Er wird vorverurteilt für etwas, was er nie getan hat. In einem totalitären System fackelt man eben nicht lange, da wird exekutiert statt diskutiert. Dabei ist Katurian nur Geschichtenerzähler.

Zugegeben, er erzählt keine schönen Geschichten, sondern misshandelt Kinder, lässt sie leiden, tötet sie sogar - auf dem Papier, in seinen Erzählungen. Inspektor Tupolski und sein Lakai Ariel sind anderer Meinung. Unerstützt wird ihre Theorie durch zwei Morde. Zwei Morde, die wie nach Anleitung von Katurians Geschichten geschehen sind.

Um Martin McDonaghs Stück "Der Kissenmann" aufzuführen, braucht Regisseur Augustin Jagg nur drei Schauspieler. Die Geschichte, die sie erzählen, ist aber ebenso komplex wie verwoben und nicht ungern driftet die Handlung zwischen Realität und Fiktion dahin.

Aggression und Kälte

Hubert Dragaschnigs von Grund auf als Gutmensch angelegter, seit seiner Kindheit psycho-gefolterter Katurian, dessen Bruder Michal, behindert, aggressiv, kindlich-naiv und der Michal nicht unähnliche, weil ebenfalls in der Kindheit missbrauchte aggressive Kinderschützer Ariel (Günter Baumann in einer Doppelrolle) und der von sich eingenommene, kühle Ermittler Tupolski (Urs Obrecht), der aber von allen am grausamsten ist, füllen ihre Rollen gut aus.
Sie schreien sich die Seele aus dem Leib - "Man bringt keine kleinen beschissenen Kinder um!" -, lassen puren Hass aus ihren Augen blitzen (Baumann), Verzweiflung (Dragaschnig) oder einfach nur joviale Kälte (Obrecht).

Doch Jagg lässt sie wie Gefangene agieren, gefangen in ihrer Vergangenheit, in den Geschichten und im System. Vazul Matusz' schiefe Bühne, deren Fenster ohnehin nur auf den Gang zeigen, verstärkt diese Darstellung noch. Die vielen Themen, die behandelt werden - Verantwortung der Literatur, Vergangenheitsbewältigung, Kindesmisshandlung, die Frage, ob ein grauenhaftes Leben lebenswert ist, Folter - machen das Stück zu einem sehr komplexen. Dadurch, dass die Themen manchmal nur angeschnitten, teilweise nur unterschwellig vorhanden sind und durch die auf der Bühne erzählten Geschichten reflektiert werden, entsteht ein homogenes Ganzes. Die zentrale Frage, wie weit Literatur gehen darf, zu beantworten, wird dem Publikum überlassen. Viel Applaus und Bravo-Rufe für diese Theater- Kosmos- Produktion.