VON ULRIKE BREIT
"Kaffeetasse weg, Kompetenz in den Ascher, Panik auf den
Tisch" Quatsch. "Kompetenz auf das Knie, Knie in den Kaffee"
Quatsch. So ein Quatsch ist das aber gar nicht, denn wenn man sieht,
wie ramponiert die Figuren in Ingrid Lausunds "Bandscheibenvorfall"
aus der "TÜRZUMCHEF" rauskommen, ist es nur verständlich,
wenn sie den Auftritt hinter dieser Tür minutiös planen.
Gedemütigt, verunstaltet und mit dem sprichwörtlichen
Messer im Rücken reagieren die Figuren wie verängstigte
Tiere, halten ihre Fassaden aufrecht, bis es nicht mehr geht. Die
viel gepriesenen "Soft Skills" wie Teamfahigkeit, emotionale
Intelligenz und soziale Kompetenz zeigen sich auf der Probebühne
in ihrer negativsten Form: Kunstvoll geführte Intrigen –
„aber darüber sind sie sicher informiert", meisterhafte
Klingenführung im Gespräch und hypnotische Verunsicherung,
"Du hast einen Wichsfleck auf der Hose, du hast einen Wichsfleck
auf der Hose", alles gut getarnt hinter dem ewigen Lächeln
- auch Gedanken wie: Dich mach ich fertig, du Stück Scheiße
Dabei fehlt der sonnige Yuppie (Bernhard Karner) genauso wenig wie
die nette, nervige Kollegin (Tatjana Velimirov herrlich koimisch),
der von allen geprügelte Kriecher (Hubert Dragaschnig), der
.die anderen verachtende Macho (Günter Baumann) und die zynische
Karrierefrau (Frauke Steiner).
"Bandscheibenvorfall" ist zynisch, böse, aber verdammt
real. In einer Zeit, in der Burn-outs an der Tagesordnung sind,
trifft Ingrid Lausund mit ihrem Stück mitten ins Schwarze.
Sie zeigt, wie leicht Machos zu wimmernden Würmern und New-Economy-Fritzen
zu neurotischen Angstbündeln werden.
Jeder kämpft für sich
In Varul Matusz' genialem Bühnenbild - einer Halfpipe nachempfunden,
rechts kriechen die Figuren aus dem Loch, links die Rampe zur "TÜRZUMCHEF"
- schickt Regisseur Augustin Jagg seine EinzelkämpferInnen
in die Schlangengrube des Büroalltags, ohne Netz, dafür
mit herrlich komödiantisch zur Schau gestellten Macken und
Phobien - eben wirklich aus dem .Leben gegriffen. Dementsprechend
viel Beifall und Zustimmung gab es vom Premierenpublikum in einer
voll besetzten Hinterbühne.
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