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Bruno Felix erweckt den Dichter Krapp zum Leben

Hubert Dragaschnig inszeniert Samuel Becketts „Das letzte Band" mit Bruno Felix. Premiere feierte das Stück des Theater Kosmos am Freitag in Bludenz.

VON ULRIKE BREIT

„Vielleicht sind meine besten Jahre dahin. Da noch eine Aussicht auf Glück bestand. Aber ich wünsche sie nicht zurück. Jetzt nicht mehr, wo dieses Feuer in mir brennt. Nein ich wünsche sie nicht zurück." Mit diesen Worten von der Spule fünf aus Schachtel drei verabschiedet sich Bruno Felix als Dichter Krapp von der Bühne des Theater Kosmos, die diesmal in der Remise Bludenz ihr Zuhause fand.

Aus der Vergangenheit

Samuel Becketts Krapp spricht diese Worte 39-jährig, kommentiert sie 30 Jahre später und kann sich nicht dagegen wehren, von diesen akkustischen Erinnerungen gefangen zu werden. Mal lauscht er ergriffen seinen Worten aus der Vergangenheit, mal lacht er in sich hinein.

Am meisten berühren den alten Dichter seine verfl ossenen Lieben. Besonders eine, in deren Augen „alles drin lag". Die Stelle auf Spule fünf aus Schachtel drei, die von ihnen beiden beim Baden handelt, bringt ihn zum Weinen, lässt ihn zu seinem fein säuberlich aufgehängten Mantel schreiten und einen tiefen Schluck - natürlich von Hochprozentigem - nehmen.

Danach holt er eine neue Spule, das letzte Band, hervor, spannt sie auf sein altmodisches Tonbandgerät und legt los mit der Abrechnung über sich selbst, „dem Idioten für den ich mich vor 30 Jahren hielt". Und dann hört er die für ihn wahrscheinlich schmerzhaftesten Stellen auf der Spule fünf nocheinmal an - bis zum Schluss. Bruno Felix ist ein fabelhafter Dichter Krapp. Am Anfang, wenn er seine Requisiten aufbaut, den Kleiderständer zusammenschraubt, den Campingsessel aufstellt, den Schrankkoffer zum Tisch umfunktioniert, ist er ein wahrer Clown. Dies liegt nicht zuletzt an seinen weißen, riesig, eben clownesque anmutenden Schuhen und an seiner Art, verschlagen lächelnd, die Zungenspitze zwischen den Zähnen, vor sich hin zu blicken.

Aussagekräftiges Mienenspiel

Später, wenn er sich selber reden zuhört, blitzt wohl auch ab und an die Zungenspitze hervor, erscheinen die schelmischen Lachfältchen um seine Augen. Aber genauso oft schauen seine Augen ins Leere, weicht der Schalk ernsteren Gesichtsausdrücken. Mit wenigen Regungen zeichnet Bruno Felix Stimmungen und Gefühle, wird dabei oft von Markus Holdermanns sanften wie dramatischen Lichteffekten unterstützt, vor allem in der letzten Szene.