Premiere und Uraufführung: 25. September 2003
20.00 Uhr, Hinterbühne Festpielhaus Bregenz
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Im Fauteuil der Stardiplomat Karl Ehrenbold-Rumsfelder,
der jüngste Botschafter, den die Schweiz in Washington je hatte,
im Rollstuhl der erfolgreiche Schriftsteller Kurt Adler, der vor
der Publikation seines mutigsten, weil persönlichsten Buches
steht. Des Diplomaten glamouröse Gattin hat mit ihren Fallschirmabsprüngen
in den Botschaftsgarten und ihren Pferderitten durch den Saal der
Botschaft ihren Gatten in der Welt beliebt und in der Schweiz unbeliebt
gemacht, während den Schriftsteller zunehmend der Mut vor seinem
mutigen Buch verlässt. Beide brauchen sie eine Auszeit, und
dafür eignet sich nichts besser als Karls abgeschiedenes Alpenchalet.
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Doch haben sie sich seit einem Vierteljahrhundert
nicht mehr gesehen, so dass keiner mehr viel vom andern weiss. Dass
Karl drauf und dran ist, seine Dilpomatenkarriere zu verspielen
und ohnehin immer ein bisschen vom Schreiben geträumt hat,
weiß Kurt nicht. Dass Kurt im Rollstuhl sitzt, weiß
Karl nicht. |
Hier beginnt das Wochenende aus den Fugen zu geraten: Ist das nicht
eine Unverschämtheit? Hat man sich nicht anzumelden, wenn man
im Rollstuhl unterwegs ist, wo doch die Schweiz alles andere als
flach ist und man auch von den meisten Gebäuden davon ausgehen
kann, dass sie für einen guten Teil der Bevölkerung nicht
„betretbar“ sind?
Das Wochenende würde im Desaster enden, wäre da nicht
der wahre Grund, der die beiden Männer nach so langer Zeit
zusammengebracht hat: Francine, eine mysteriöse und auch nicht
ganz wirkliche Figur, die Karl und Kurt bei einem Sommeraufenthalt
in Frankreich kennen und lieben, nicht aber vergessen gelernt haben.
Doch schon längst fällt Schnee, so viel, dass es bald
keine Rolle mehr spielt, ob man als Gehender oder Rollender stecken
bleibt …
Europa hat 2003 zum „Europäischen Jahr der Menschen mit
einer Behinderung“ ausgerufen. In diesem Sinne versteht der
Autor sein Stück als Beitrag zu Europa, zum europäischen
Verständnis von Gleichberechtigung, von Menschlichkeit und
vom hoffentlich baldigen Ende, Leben zu behindern.
Ballerina ist Christoph Kellers fiktive Fortschreibung seines neuesten
autobio-graphischen Buches über sein Leben mit einer Behinderung:
"Der beste Tänzer" erscheint
im September 2003 im S. Fischer Verlag.
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KURT:
"Dann hab ich endlich begriffen. Es geht gar nicht ums
Geld. Es geht um die Stufen. Die Treppen. Die Hindernisse. Es geht
um das Erhalten der Hindernisse. Mein Land - und nicht nur meins
– betreibt einen unmenschlichen Aufwand, um diese Hindernisse
aufrecht zu erhalten. Es kostet Geld, die Krüppel in überteuerten
Kliniken und Altersheimen – an denen die Unternehmer dann
allerdings wieder verdienen – an den Rand der Gesellschaft
zu verbannen. Das ist es uns wert, all das liebe Geld. Die Krüppel
aus dem Straßenbild zu verbannen. Das ist uns alles Geld der
Welt wert: Die Krüppel, die wir jede Sekunde unseres Lebens
werden könnten, nicht jede Sekunde unseres Lebens sehen zu
müssen."
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