Wenn alles geopfert wird
Am Donnerstagabend fand auf der Hinterbühne des Festspielhauses
die Premiere von "Hartes Herz" von Howard Barker statt
- eine Produktion von Theater KOSMOS und dem Kärntner Theater
k.l.a.s. Regie führte Augustin Jagg.
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VON BRIGITTE KOMPATSCHER
Eine Stadt wird belagert. In der aussichtslos scheinenden Situation
holt die Königin Praxis (Evelyn Fuchs) die Strategin Riddler
(Daniela Gaets). Riddler stellt ihre Bedingungen, die Königin
akzeptiert. Vor einem roten Vorhang mit fünf Säulen (Bühne
Reinhard Taurer) wird ein von einer realen Welt abgehobener exemplarischer
Fall eines Umgangs mit Krieg und Werten gezeigt.
Zerstörung der Werte
Es ist nicht primär die nahezu fantastisch anmutende Geschichte
(ausgedrückt auch an den "historischen" Kostümen
von Andrea Hölzl) der agierenden Personen, die im Vordergrund
stehen, vielmehr geht es um das, was nicht sichtbar wird, um Gefühlszustände,
um Strukturen, um die Folgen gewisser Handlungsweisen. Außerhalb
der handelnden Personen gibt es ein Volk, belagerte Menschen, Soldaten.
Und diese sind den Plänen der Strategin hilflos ausgeliefert.
Um der Strategie willen werden die Stadt und der Palast zerstört.
Sogar der Tempel, zentrales Sinnbild für das Zentrum jeglicher
Wertvorstellungen, wird geopfert. Die Menschen haben nichts mehr
zum Essen, keine Werte mehr, sterben. Die Königin steht dem
Ganzen hilflos gegenüber, schwankt zwischen Nähe und Distanz
zur Strategin und scheint ihr doch bedingungslos ausgeliefert zu
sein.
Riddler selbst wird auch "belagert", von Seemore (fallweise
zu überspitzt Günter Baumann), einem Mann, der ihr seine
Liebe mit List nahezu aufzwingt. Dann ist da noch Attila (Christof
Weber), Riddlers Sohn, den sie vor dem Kriegsdienst schützt.
Dessen Vorschläge, dass man sich "mit der Kultur der anderen
befassen" könnte, sind für die Strategin nicht akzeptabel,
würden zugleich das Eingeständnis einer Niederlage bedeuten.
Undenkbar für die Frau, die sich in einen göttlichen Status
erhebt. Die Rettung scheitert - letztendlich am Verrat ihres eigenen
Sohnes. Die Königin zieht die letzte grausame Konsequenz, Riddler
verharrt zwischen Aufgabe und Flucht.
In Augustin Jaggs Inszenierung verdeutlichen streng typisierte
Figuren den Untergang, Daniela Gaets überzeugt als kühle
Strategin, Evelyn Fuchs berührt als verzweifelte Königin.
Eine sichtbare Wandlung erlebt als einziger Christof Weber als Attila.
Vom jammernden Muttersöhnchen wird er zum Bezwinger der Strategin.
Bernhard Majcens Spiel als Kriegsherr Plevna ist souverän,
Antje Temler Auftritt als verzweifelte Mutter eines toten Soldaten
hingegen mehr laut als berührend.
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