"  N  E  U  E      v  o  m      3  0  .  1  1  .  2  0  0  2   "

Wenn alles geopfert wird

Am Donnerstagabend fand auf der Hinterbühne des Festspielhauses die Premiere von "Hartes Herz" von Howard Barker statt - eine Produktion von Theater KOSMOS und dem Kärntner Theater k.l.a.s. Regie führte Augustin Jagg.

VON BRIGITTE KOMPATSCHER

Eine Stadt wird belagert. In der aussichtslos scheinenden Situation holt die Königin Praxis (Evelyn Fuchs) die Strategin Riddler (Daniela Gaets). Riddler stellt ihre Bedingungen, die Königin akzeptiert. Vor einem roten Vorhang mit fünf Säulen (Bühne Reinhard Taurer) wird ein von einer realen Welt abgehobener exemplarischer Fall eines Umgangs mit Krieg und Werten gezeigt.

Zerstörung der Werte

Es ist nicht primär die nahezu fantastisch anmutende Geschichte (ausgedrückt auch an den "historischen" Kostümen von Andrea Hölzl) der agierenden Personen, die im Vordergrund stehen, vielmehr geht es um das, was nicht sichtbar wird, um Gefühlszustände, um Strukturen, um die Folgen gewisser Handlungsweisen. Außerhalb der handelnden Personen gibt es ein Volk, belagerte Menschen, Soldaten. Und diese sind den Plänen der Strategin hilflos ausgeliefert.

Um der Strategie willen werden die Stadt und der Palast zerstört. Sogar der Tempel, zentrales Sinnbild für das Zentrum jeglicher Wertvorstellungen, wird geopfert. Die Menschen haben nichts mehr zum Essen, keine Werte mehr, sterben. Die Königin steht dem Ganzen hilflos gegenüber, schwankt zwischen Nähe und Distanz zur Strategin und scheint ihr doch bedingungslos ausgeliefert zu sein.

Riddler selbst wird auch "belagert", von Seemore (fallweise zu überspitzt Günter Baumann), einem Mann, der ihr seine Liebe mit List nahezu aufzwingt. Dann ist da noch Attila (Christof Weber), Riddlers Sohn, den sie vor dem Kriegsdienst schützt. Dessen Vorschläge, dass man sich "mit der Kultur der anderen befassen" könnte, sind für die Strategin nicht akzeptabel, würden zugleich das Eingeständnis einer Niederlage bedeuten. Undenkbar für die Frau, die sich in einen göttlichen Status erhebt. Die Rettung scheitert - letztendlich am Verrat ihres eigenen Sohnes. Die Königin zieht die letzte grausame Konsequenz, Riddler verharrt zwischen Aufgabe und Flucht.

In Augustin Jaggs Inszenierung verdeutlichen streng typisierte Figuren den Untergang, Daniela Gaets überzeugt als kühle Strategin, Evelyn Fuchs berührt als verzweifelte Königin. Eine sichtbare Wandlung erlebt als einziger Christof Weber als Attila. Vom jammernden Muttersöhnchen wird er zum Bezwinger der Strategin. Bernhard Majcens Spiel als Kriegsherr Plevna ist souverän, Antje Temler Auftritt als verzweifelte Mutter eines toten Soldaten hingegen mehr laut als berührend.