"Bis zum Schuss gemobbt"
Das Bregenzer Theater Kosmos zeigt "Die Direktoren"
von Daniel Besse
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VON ALICE NATTER
Pommard oder Pomerol - das ist hier die Frage.
Welcher ist der bessere Wein zum Spargel? Präsident Montparnasse
tariert beim Dinner im Spiegelkabinett die Tauglichkeit seiner Mitarbeiter
aus, prüft sie für die Rituale der Macht. Kümmert
sich um die wichtigen Dinge im Leben. Wichtig, das sind Golf, der
Spargel-Begleiter und ein Poussin-Gemälde im Louvre, Abteilung
für allegorische Malerei des 17. Jahrhunderts: Die Zeit rettet
die Wahrheit vor dem Neid und der Zwietracht. Außerhalb des
Bilderrahmens aber, in der Welt der Machenschaften und Geschäfte,
wird dieser Satz von Anfang an widerlegt. Es wird gekämpft,
gelogen, gemobbt, intrigiert in Daniel Besses Stück "Die
Direktoren".
In der deutschsprachigen Theaterwelt ist das Business-Drama des
Franzosen durch die jüngste Bochumer Aufführung bekannt
geworden, in der Harald Schmidt den Montparnasse geben durfte.
Die österreichische Uraufführung zeigt jetzt das Bregenzer
Theater Kosmos.
In der Führungsetage des Rüstungskonzerns Delta Espace
wird mit allen Mitteln versucht, einen milliardenschweren Auftrag
zu sichern. Die Direktoren setzen ihre Karriere aufs Spiel: Der
schmierige Chatelet, der prahlt und protzt und Sekretärinnen-Höschen
sammelt, die kühle Blonde Grenelle, die nur an die nächste
Stufe der Leiter denkt, und der unauffällige, neugierige Denfert.
Allesamt bestrebt, sich beste Ausgangspositionen im Intrigenspiel
zu verschaffen. Nur der fleißige Odeon kümmert sich allein
um Zahlen und Koeffizienten und bekommt dabei nicht mit, wie ihn
die Kollegen ins Messer laufen lassen.
Die Bochumer inszenierten die "Direktoren" als Event,
nicht nur wegen Harald Schmidt: Gespielt wurde in den Räumen
der Sparkasse. Das Theater Kosmos zeigt uns die Welt der Konzerne
als Kubus. Vanessa Achilles genialer Bühnenbau ist ein einziger
riesiger, leicht gekippter Holzrahmen in Quaderform, auf dessen
Spielfläche Treppen und Rampen führen für die Aufstiege
und Abstiege auf der Karriereleiter. Und mitten im Kubus noch ein
Kubus, der seine Quaderwände wie Flügeltüren öffnen
kann. In ihm sitzen Präsident Montparnasse und Delta-Chef Bercy
bei Pommard. Oder bei Pomerol.
Die Zeit entreißt die Wahrheit dem Neid und der Zwietracht.
Von wegen. Odeon, der einzige Direktor, dessen ganze Energie der
Arbeit für den Konzern gilt, wird zu Tode gemobbt. Psychisch
am Ende und körperlich ein zitterndes Wrack, erschießt
er sich im Büro. Die anderen Direktoren bleiben in Bewegung,
rennen weiter die Treppen hinauf und hinunter, die Flure auf und
ab. Nur nichts verpassen, nur weitermachen, nur mitspielen.
"Die Direktoren", das ist überzeugendes zeitgenössisches
Erzähl-Theater, durchaus mit Moral, auch wenn die im Stück
längst verloren gegangen ist. In Bregenz sind "Die Direktoren"
von Hubert Dragaschnig zügig und stringent inszeniert, von
einem durch und durch gut besetzten Ensemble erstklassig gespielt.
Als größter Zyniker erweist sich am Ende übrigens
der Präsident, der sich so kunstbeflissen und sophistisch gibt.
Pommard oder Pomerol ist dann nicht mehr die Frage.
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