Es geht um die Ereignisse nach dem Trojanischen Krieg, um die Konsequenzen.
Für das bessere Verständnis sind auch Rückblenden eingesetzt.
Denn wer hat schon die vielen Geschichten parat wie etwa die von Odysseus,
der nicht in den Krieg ziehen wollte, sich irr stellte und den Palamedes
überlistete, indem er dem den Sand pflügenden Odysseus das Söhnlein
Telemach vor die
Pflugschar legte. Vergessen hat Odysseus dies dem Palamedes nicht und
ihn seither als Gefahr betrachtet. Will man leben, weiterleben, über-
leben, muss man sich der Gefahrenmomente bewusst bleiben und sich ihrer
zu
entledigen suchen.
Und nun wird Michael Köhlmeier doch zum Dichter: Der klare Handlungsablauf
bedarf des Umfeldes, der ,,Statisten", von denen Nestor dem Sohne
des Odysseus, Telemachos, erzählt. Das Umfeld also wird von den ,,Helden"
bevölkert, von der Erzählung von Hektor und Patroklos und von
ihren unrühmlichen Nachfahren, den Raufbolden Neoptolemos und Aias,
für die der
Krieg eine Art Sport ist und für die nur jene Waffen zählen,
die der jeweilige ,,Held" al- lein mit sich tragen kann.
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Auch dies ein raffinierter Kunstgriff Köhlmeiers, der den Zuhörer
anregt nachzudenken: Was wäre, wenn
die Kriege heute noch ohne ,,Maschinen" ausgefochten werden müssten?
Nestor selbst verlässt sich auf seinen Instinkt, Menelaos auf sein
Gefühl, Palamedes auf seine ,,Forschungsergebnisse". Odysseus
allein denkt konsequent zu Ende: Troja ist besiegt, Blut ist geflossen,
viel, zu viel - nicht zuletzt durch die Dummheit und Verbohrtheit der
,,herrlichen Helden". Soll ein Ende absehbar sein, muss ein Ende
gemacht werden; hier - ein höchst grausames. Denn es darf kein Präzedenzfall
geschaffen werden.
Rainer Frieb verzichtet in der psychologisch sorgsam fundierten Regie
von Hubert Dragschnig auf jegliches Pathos. Gesetzt wird auf die leisen
Töne. Und auch das faszinierende Bühnenbild von Augustin Jagg
drängt sich trotz Massigkeit nicht auf. Soll man an die Ruinen des
WTC denken? Oder an Schiffswracks?
,,Ich erzähle Geschichten", hat Michael Köhlmeier postuliert,
vor einigen Jahren. Nur: Zuhören, zuhören muss man ihm schon
- selbst.
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