VON ALICE NATTER
Soap Operas können nicht greller sein. Das Bühnenbild ist
purer Kitsch: An der Wand hängt eine Riesen-Rosen-Tapete in altrosa,
in der Zimmermitte steht ein blütenförmiges, kissenvolles Blumenbett
in gold wie eine Insel im wogenden Meer. Und drumrum hüpfen, stakeln,
staksen fünf aufgedrehte Frauenzimmer. Alle ins gleiche Ungetüm
an Kleid gehüllt, scheußlich grün verpackt wie ein supersüßes
Bonbon. Der Ausstatter hatte seinen Spaß! "Fünf im gleichen
Kleid" - das Theater Kosmos aus Bregenz zeigt nun im Festspielhaus
die deutschsprachige Erstaufführung des Werkes des Amerikaners Alan
Ball. Ein echt seifiges Stück Theater.
Worum geht's in der Bühnensoap? Es ist Hochzeitstag, die fünf
verkleideten Brautjungfern drücken sich vor dem Empfang und treffen
sich nach und nach im Zimmer der Brautschwester.
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Hochzeiten sind immer höchst riskante Ereignisse, die man meiden
sollte, deshalb sind die Nerven der fünf Frauen gespannt. Zitat:
"Ich will mich amüsieren, aber die benehmen sich hier alle sowas
von normal". Oben im Zimmer wird gekifft, es wird geheult, es wird
getrunken, es wird gegessen. Und es geht um Männer, klar. Aus dem
zufälligen Treffen entwickelt sich eine Zimmerschlacht, die Gefühltswelten
offenbart, bald blättern die dick aufgetragenen Kulissen.
"Fünf im gleichen Kleid" - es ist ein höchst amerikanisches
Stück. Autor Alan Ball zeigt mit viel Komik die Verlogenheit und
Heuchelei einer weißen Wohlstandsgesellschaft. (Für "American
Beauty" hat er das Drehbuch geschrieben und dafür Oscar und
Golden Globe gewonnen.) Die fünf Frauen blicken sich gegenseitig
in die Seele und wühlen einander in den Handtaschen herum. "Was
zum Teufel schleppst du da mit dir herum?" - "Mein Leben."
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Da ist Georgeanne, unglücklich verheiratet und auf der Suche nach
Liebe und Sex. Da ist Meredith, die so cool und unbeteiligt tut und irgendwann
trotzig gesteht, dass sie mit zwölf Jahren was mit dem Schwarm aller
Frauen hatte. Da ist Mindy, die Lesbe, die sich den Bauch mit Schinkenröllchen
vollstopft und doch nicht verwunden hat, dass ihre Geliebte von der Familie
nicht akzeptiert wird. Da ist die naive Frances, die nicht trinkt ("Ich
bin Christin") und den Joint-Geruch mit Duftspray wegsprüht.
Schließlich Trisha, die Lebenserfahrene, die die verheulten Gesichter
der Freundinnen wieder zurechtschminkt. Soap eben.
Als alle Geheimnisse enthüllt sind, die Nerven endgültig blank
liegen und die Perücken, Stöckelschuhe und die Körperverhüllungen
in der Ecke liegen - kommt ein Mann. Leider, die verkleideten Fünf
hätten ausgereicht, den komischen Theaterabend zu füllen. Mister
Wonderful im Frack passte irgendwie nicht in diese schräge, kitschige
Frauenrunde.
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