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Das Singen vom Sterben

Heftigen Beifall und vereinzelt Standing Ovations gab es bei der Premiere
der neuen Theater KOSMOS-Produktion "Spoonface Steinberg" von Lee Hall.

VON BRIGITTE KOMPATSCHER

"Ein ganz besonderes kleines Mädchen" ist Spoonface Steinberg, Take That mag sie nicht, aber die Oper liebt sie. Zudem ist sie autistisch ("Ich bin nicht richtig, seit ich geboren wurde") und hat eine unheilbare Krebserkrankung. Spoonface muss sterben, sie weiß es, alle anderen wissen es auch.

Der junge britische Dramatiker und Drehbuchautor Lee Hall, dessen Stück "Kochen mit Elvis" vom Theater KOSMOS mit großartigem Erfolg als österreichische Erstaufführung herausgebracht wurde, ist auch der Autor von "Spoonface Steinberg". Die 1976 in Cottbus geborene Antje Temler verkörpert das kleine Mädchen, dessen Weisheit und berührende Logik starken Eindruck hinterlassen.

Im weißen Nachthemd (Kostüme Heike Huber) hockt sie auf einem riesengroßen roten Kissen (Bühnenbild: Hubert Dragaschnig), kein einziges Haar auf dem Kopf - ab und zu hüllt sie sich in einen goldfarbenen Umhang. Und Spoonface erzählt: von ihrer Geburt, von damals, als sie auf den Kopf gefallen ist, von ihrem Vater und der "Tussi" und ihrer Mutter und dem Wodka.

 

Ihre klugen und lebenserfahrenen Analysen ("alle haben gelächelt, was heißt, dass etwas nicht stimmt") fließen in ihre philosophischen Aussagen über das Leben und den Tod ein.

Ins Moralisierend-Plakative droht der Text allerdings dann abzurutschen, wenn Spoonface neben ihrer eigenen Geschichte noch zusätzlich von den Gräueltaten der Nazis in den Konzentrationslagern erzählt - gemildert wird der erhobene Zeigefinger in dieser Situation dadurch, dass Spoonface alles von zweiter Hand erfahren hat. "Der Doktor hat gesagt" führt das zusätzlich Schreckliche in die Welt des kleinen Mädchens ein und passt sich so dem Gesamtkontext doch noch stimmig an.

Spoonfaces liebevoller Blick auf Leben und auch Sterben, ihr unerschütterlicher Glaube an das Gute - "es gibt nichts Böses" wird ihr auch von der Putzfrau bestätigt - und ihr Umgang mit ihrem eigenen Tod, der ohne Berührungsängste verläuft, geben dem Stück eine metaphysische Komponente, die durch die Lichtgestaltung von Markus Holdermann (es dominieren Gelb, Orange, Rot) zusätzlich betont wird.

Einspielungen von Maria Callas, "das wunderschöne Singen über das Sterben", bilden die Pausen oder den Hintergrund zu Spoonface' Gedanken, Überlegungen und Darstellungen. Ihre Zuversicht, ihre Hoffnung und ihre Fähigkeit, in jeder Tragik auch das Gute zu finden und aufzuzeigen, erreichen am Ende einen Höhepunkt - die Metaphysik wird auf die Spitze getrieben, der religiöse Charakter dominiert und das Schlussmoment bewegt sich schon gefährlich nahe an der Grenze zum überzogenen Pathos.

Insgesamt aber überzeugt und berührt "Spoonface Steinberg": Die ausgezeichnete, einnehmende schauspielerische Leistung von Antje Temler und die behutsame, differenzierte Inszenierung von Augustin Jagg machen den Monolog des autistischen, krebskranken Mädchens zu einem einzigartigen Plädoyer für Hoffnung.

"Ich bin ein ganz besonderes Kind".