von Lee Hall
Premiere: 16. Mai 2001
mit: Antje Temler
Regie: Augustin Jagg
Bühne: Hubert Dragaschnig
Kostüme: Heike Huber
Licht: Markus Holdermann
Hinterbühne
Festspielhaus Bregenz
|
Der englische Autor Lee Hall,
läßt in seinem preisgekrönten Stück das autistische
Mädchen "Spoonface Steinberg" seine Geschichte erzählen.
Spoonface ist irgendwie "nicht richtig geboren". Ihr Gesicht
ist so rund, als würde man in einen Löffel schauen". Und
Sport kann sie auch nicht, nur "die Zahlen rechnen". Dad wohnt
irgendwo mit einer "Doktoratin" zusammen, während Mam schon
seit längerem viel Wodka trinkt. Eines Tages wird Spoonface zu allem
Überfluss furchtbar schlecht, sie muss ins Krankenhaus, in eine Röhre,
und danach haben die Ärzte eine Antwort, und die Antwort ist, dass
ich sterbe".
Spoonface Steinberg offenbart den faszinierenden
Blick auf einen uns fremden Umgang mit dem Tod. Die für uns anscheinend
normalen Reaktionen auf den Tod - Angst, Hilflosigkeit und Mitleid - bestimmen
das Verhalten der Eltern und vieler anderer, nicht aber das des Mädchens.
Mit einer eigentümlichen Mischung aus Naivität und Weisheit,
befasst sich das Kind mit dem Unfaßbaren und lässt uns durch
seine Augen sehen, wie dieses untrennbar mit dem Leben verbunden ist.
Mit der "Weltfremdheit" einer Autistin, stellt Spoonface
immer wieder die richtigen Fragen und findet so einen Weg, jenseits von
Angst und Verzweiflung mit dem Thema Tod umzugehen.
Spoonface:
"...und ich hab gedacht, wenn ich mich nicht gefürchtet hab,
wie ich noch nicht geboren war, warum soll ich mich fürchten, wenn
ich am anderen Ende wieder nicht existiert wäre - das Ende kann man
nicht fühlen oder berühren - weil es einfach gar nichts ist
- das Ende von Sachen ist nicht das Problem, weil es dort gar nichts zu
finden gibt - das ist der Sinn, dass es eigentlich gar kein richtiges
Ende gibt - nur die Mitte, und selbst wenn ich am Ende bin, bin ich immer
noch in der Mitte..."

Autistische Menschen neigen dazu, für uns ungewöhnliche
Sinneserfahrungen und Wahrnehmungen zu haben. Ihr Autismus ermöglicht
Spoonface Steinberg eine distanzierte Sichtweise, eine Perspektive, die
vom Leben nicht erwartet, dass es einen "Sinn" haben muß.
Mit eigentümlicher Unvoreingenommenheit und seltsamer Gelassenheit
beobachtet sie den Verfall ihres Körpers und lässt uns teilhaben
an ihren Gedanken über das Leben und Sterben.
Augustin Jagg:
"Spoonface ist eine volkommene ernst zu nehmende Theaterfigur. Ein
kleines Geschöpf, das uns neue Sichtweisen ermöglicht. Es löst
eine Sehnsucht aus, die es selbst nicht mehr haben kann."
|