VON ALICE NATTER
Die Zahl der Figuren ist groß, die Personenverhältnisse sind komplex.
So komplex, dass im Programmheft die Stammbäume und ihre Verwachsungen
abgedruckt sind.
Dabei hätte es auch die Gästeliste der Hotel-Rezeption getan. 1918 beispielsweise
wohnt Evelyn Crawley im "Pera Palas", dem berühmten Hotel Istanbuls. Eine
emanzipierte englische Autorin, die die letzten Tage des Osmanischen Reichs
miterlebt.
Oder 1952. Da sind Kathy und Anne Gäste im "Pera Palas", zwei Amerikanerinnen.
Und dann 1994: da haben sich Brian und Murat im Hotel eingeschrieben.
Ein amerikanisch-türkisches Pärchen.
Drei Zeitebenen, die in "Pera Palas" von Sinan Ünel zusammenfließen
wie die Lebensgeschichten der Hotelgäste. In Bregenz wird das am Broadway
umjubelte Stück nun vom Theater "Kosmos" inszeniert.
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Auf der Bühne Hotelzimmer, Foyer und Harem zugleich, ein einziges orientalisches
Ornament herrscht ein einziges Kommen und Gehen. Ein Nebeneinander, Zwischeneinander,
Durcheinander.
Während links Evely Crawley 1918 in ihr Tagebuch schreibt, ist rechts
Brian 1994 über die prächtige Aussicht entzückt. Während sich im Bühnenhintergrund
die junge Kathy in den jungen Orhan 1952 also verliebt, zögert Murat ja,
1994 im Vordergrund, seine Eltern anzurufen.
Vor neun Jahren hat er sie zuletzt gesehen, nach einem Streit verließ
er die Stadt. Hier wird von Atatürk geschwärmt, da bekommt der Schwule
Dünnschiss, dort bricht eine Ehe auseinander. Drei Stücke auf einmal,
ein Mosaik.
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Und so spinnt sich aus den sehr narrativen, manchmal fast kabarettistischen
Szenen, den einzelnen dünnen Dialog-Fäden allmählich ein Netz, ein dichtes
Gewebe.
Die losen Schnüre verweben sich zu einem einzigen dramatischen Epos.
Die Spannung potenziert sich hoch Drei. Es kommt zum Knall auf allen Ebenen,
die Träume von 1001 Nacht platzen. Hier bringt sich der Effendi um, da
schlägt der junge Orhan seine Frau, dort brüllen sich der alte Orhan und
sein Sohn unendlich laut an.
Im Eklat werden auch die letzten Fragen zu Personen und ihren Beziehungen
beantwortet.
"Pera Palas" ein packendes Stück Theater.
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