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Es war nie leicht der King zu sein ...

Elvis lebt doch noch, zumindest im Theater Kosmos in Bregenz


Auf der Hinterbühne des Bregenzer Festspielhauses gastiert das Theater Kosmos in einer österreichischen Erstaufführung mit dem Drama "Kochen mit Elvis" von Lee Hall. Die Premiere und die Wochenendveranstaltungen wurden vom Publikum regelrecht gestürmt.

ja. - Lee Hall aus Newcastle, Cambridge-Absolvent, ist erst 33 Jahre alt und bereits ein international anerkannter Schreiber. 1999 war er ein Jahr lang "Writer in Residence" bei der Royal Shakespeare Company und im Frühjahr 2000 lief sein erster Kinofilm, "I love you Jimmy Spud", mit Michael Caine in der Hauptrolle an. Das schräg-skurrile Stück "Kochen mit Elvis" läuft bereits seit Beginn des Jahres im Live Theatre am Londoner West End.

Dad ist ein Zombi, was ist Mam?

In "Kochen mit Elvis" zeichnet Lee Hall das Sittenbild einer englischen Mittelstandsfamilie, die ein wenig in Schwierigkeiten geraten ist: Dad sitzt nach einem Autounfall querschnittsgelähmt und sprachunfähig im Rollstuhl. Mam trinkt zu viel und sehnt sich nach männlicher Wärme. Tochter Jill ist vierzehn, übergewichtig und kocht exzessiv für Dad. Schliesslich habe "Elvis, the King" das auch gegessen und Dad war vor seinem Unfall Elvis-Imitator. richtig lebendig wird die Geschichte, als Stuart, gut aussehend und dumm, von Mam nach Hause abgeschleppt wird. Kurze Zeit später zieht er bei ihnen ein. Zwischen Sex. Lügen und Selbstbetrug werden alle vier Opfer ihrer Sehnsüchte. Augustin Jagg, Gründer des Theaters Kosmos, führt Regie. Dabei agiert er zurückhaltend, setzt aber gekonnt immer wieder Höhepunkte in Szene und führt das Stück auf ein fulminant-kitschiges Schlussbild hin, bei dem das Publikum in einen wahren Begeisterungssturm ausbricht. Sabina Keller aus Innsbruck zeichnet für ein tolles, durchdachtes Bühnenbild, das sich erfreulicherweise dem Stück nicht aufdrängt, sonder es geradezu erhöht. Paul Winter, Musiker und Komponist, ist für die musikalische Bearbeitung zuständig. Er schafft es, die Hits von Elvis zu bearbeiten und in das Schauspiel zu flechten und damit das Publikum zu fesseln. Natürlich sind auch Kostüme (Heike Huber) und Licht (Markus Holdermann) perfekt eingesetzt.

Professionelles Ensemble

Die vier Schauspieler haben ein gutes Stück Arbeit zu leisten, schwankt doch das Stück immer wieder von der Tragödie in das Komödiantische, von der Skurrilität in die Oberflächlichkeit, kurz, so wie das Leben eben. Susanna Knechtl (Tochter Jill) ist eine gelungene Besetzung, sie lässt sich aber immer wieder beim "Schauspielern " ertappen. Tobias Oertel (Stuart) kann anfängliche Unsicherheiten ablegen und entwickelt sich im Spielverlauf einer Hauptfigur gemäss. Herausragend sind Hubert Dragaschnig (Dad) und Daniela Gaets (Mam). Dragaschnig einmal als querschnittsgelähmter Krüppel und auf der anderen Seite als schmieriger Elvis-Imitator. Es ist ein Genuss, ihn als den fetten King, glitterhaft und singend, zu sehen und zu hören. Im Schlussbild ist er dann der wahre Elvis, getaucht in Licht und Pomp. Seine Gegenspielerin Daniela Gaets als trinkende und sexhungrige Mutter ist wunderbar bühnenpräsent und spielsicher. Das Theater Kosmos bietet mit "Kochen mit Elvis" einen unterhaltsamen Theaterabend mit viel sinnlichen Aspekten. Es lohnt sich, eine Aufführung zu sehen.