Natürlich ist von Anfang an klar, dass keiner fort gehen wird. Natürlich
sind die Anderen, deren Namen sich so zum Verwechseln ähneln, nur Spiegelhalter.
Gramow selbst erscheint so als ein Mann ohne Eigenschaften. Er definiert
sich über das, was die anderen von ihm sagen, von ihm halten. Mal so,
mal so. Gehen-bleiben, lieben-hassen, machen-lassen. Neutralisation. Die
Seele löscht sich in der eigenen Dialektik aus. Alle möglichen Varianten
werden im "Lola-rennt"-Stil durchgespielt. Ob Gramow stirbt, sich neu
verliebt, zu seiner Frau zurückkehrt. Egal. Slapovski zeichnet die möglichen
Paralleluniversen der russischen Seele alle gleich grau, blass, neblig.
Klar ist nur der Wodka.
Leider bleibt die Inszenierung von Hubert Dragaschnig meistens ebenso
fahl und blass. Die russische Seele bleibt fremd, die Figuren steril.
(Gute) Schauspieler, die ihre Rolle perfekt einstudiert haben.
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Was geschieht, zwischen und in den Menschen, berührt nicht. Fast alles
plakativ. Österreichische Hintergründigkeit, russische Melancholie · nichts
von dem. Eine Ausnahme die Szene mit Otto Edelmann als Polizist. Sein
Monolog, in dem er eine Kasparow-Schachpartie nachspielt, mit aller Inbrunst
das bereits Entschiedene durchkämpft, die fiese Art und Weise wie er Gramow
in den Selbstmord treibt, sind der eigentliche Höhepunkt des Zweiakters.
Endlich ein Mensch. Ein schlechter, dem man nachts nicht auf der Straße
begegnen möchte. Aber ein Mensch. Man möchte ihn umarmen, wenn er nicht
so abstoßend wäre.
Auch Bernhard Majcen als korrupter Lokalpolitiker und Peach Hottinger
als kleiner Nobody bleiben mit guten Szenen in Erinnerung, während die
Frauen, besonders Vera Schweiger als Mutter, durchweg blass und nicht
ganz dazugehörig erscheinen.
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Das Bühnenbild von Vanessa Achilles mit zwei schiefen Plattenbau-Wänden
und einem Plattenbau-Trümmer mit totem Baum ist ein weiterer Höhepunkt.
Alles ist so schief, dass man Angst hat, es würde entweder gleich einstürzen,
die Figuren, die sich darin bewegen, würden straucheln, die Wodka-Gläser
herunterrutschen. Aber alles ist fest. Frauen und Männer bewegen sich
in dieser Umgebung mit traumwandlerischer Sicherheit, der Wodka trotzt
der Schwerkraft. Alles schief und ruinös, aber fest, statisch. Kein Umfallen.
Zu dem Schiefen würde ein bisschen mehr Schräges passen. Zur russischen
Seele mehr als nur ein Hauch von Wodka. Zum Altbekannten etwas Neues.
Zum Theater etwas Leben. "Schluss!" Die russische Seele unbeseelt, die
Zuschauer-Seele unberührt. Das Kosmos-Theater scheitert mit "Ich gehe
fort" auf hohem Niveau, oder ist vielleicht auch auf etwas niedrigerem
erfolgreich. Was aber auch wieder egal ist.
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