Opfer und Täter, oft in einer Person vereint, Menschen, die den
Haß auf die anderen schon mit der Muttermilch einsaugen. Sadallah
Wannus (1941-1997), des syrische Dramatiker, wagt es ein Theaterstück
über den Konflikt zwischen Israeli und Palästinensern zu veröffentlichen.
Eine positiv gezeichnete israelische Figur (Arzt) reichte aus, um das
Stück wegen "pro-israelischer Tendenz" in Damaskus zu verbieten.
Die Reaktion auf das Werk unterstreichen auf beklemmende Art den Inhalt.
Unvereinbarkeit
Zwei Familien, eine palästinensische und eine israelische, stehen
im Mittelpunkt des Stücks, das in Bregenz von Hubert Dragaschnig
inszeniert wurde. Deren beider Wirklichkeiten - trotz auffallend vieler
Parallelen in der Familienstruktur - befinden sich jeweils am entgegengesetzten
Ende. Al Faria (ausdrucksstark in der Darstellung ihres Idealismus Gabriele
Graf) wiegt den Sohn ihres Bruders. Die Mutter des Kindes ist geflohen.
Die Bühne (Augustin Jagg/Hubert Dragaschnig) ist karg gehalten -
Mauern und betonfarbene Schrägen spiegeln Kälte und Unnahbarkeit,
Ausdruck der Unvereinbarkeit der Gegensätze.
Al Farias Bruder, Ismail (Robert Stuc), befindet sich in Gefangenschaft
des israelischen Sicherheitsdienstes. Dessen Frau Dalal (überzeugend
Alexandra Braun) vollzieht im Laufe des Stückes die Wandlung der
unpolitischen, dem Engagement ihres Ehemannes nahezu unverständlich
gegenüberstehenden Figur, zur überzeugten Aktivistin, deren
Tun durch Rache bestimmt wird - nachdem sie von den Israelis grausam geschändet,
ihr Mann ermordet wurde. Am anderen Ende steht die israelische Familie
Pinchas - Yitzak arbeitet beim Sicherheitsdienst, seine Mutter, überzeugte
Zionistin.
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Als Yitzak - in seiner Zerrissenheit und Verzweiflung, zwischen Impotenz
und Sadismus angesiedelt, von Markus Wechselberger unterschiedlich glaubwürdig
verkörpert - mit seiner Arbeit zurechtkommt und zusammenbricht, gerät
auch die gesamte Struktur ins Wanken. Seine ahnungslose Frau Rahel wird
von seinem Kollegen Gideon (Martin Sommerlechner als grausame und widerliche
Figur) vergewaltigt, sie erfährt von den "Feten", bei denen
Palästinenserinnen mit lauter Musik im Hintergrund vergewaltigt werden,
und deren Männer zum Reden bringen.
Haßspirale
Rahel bricht aus und verläßt Israel. Ihr stereotypes "Was
für ein Abschaum wir geworden sind" und "Es ist nicht wieder
gut zu machen, was geschehen ist" sind Ausdruck des Unverständnisses
gegenüber dem Unfaßbaren. Ihren Sohn überläßt
sie ihrer Schwiegermutter --der sich weiterdrehenden Haßspirale.
Haß und Kampf, deren Opfer wie in jedem Krieg, Frauen werden - die
Palästinenserin und die Israelin werden vergewaltigt - deren Körper
werden zum Werkzeug und Objekt männlicher Gewalt, der sie ausgeliefert
sind.
Al Farias Bruder Muhammad - irritierend in dieser Rolle Alexander Bogner,
dessen zuweilen überzeichnete Lässigkeit gepaart mit Wiener
Akzent nicht so recht ins Bild passen mochte - und Helmut Schüschner
als Sicherheitsfienst Chef Meir sind weitere Figuren in dem Stück.
Der Arzt Abraham Menachin ist der gemäßigte Israeli - er steht
abseits - auch räumlich, er beobachtet. Allerdings wird ihm zu wenig
Platz zugestanden, Uli Zentner verleiht der Figur auch zu wenig Kontur
und Eigenständigkeit, sodaß die anti-israelische und pro-palästinensische
Tendenz beherrschend für das Stück wird.
Auffallend die jeweils einfärbigen Kostüme (Heike Huber), die
den Gegensatz zwischen den beiden Familien bildlich und eindrücklich
verdeutlichen - fast verstörend gestaltet sich der Einsatz der Musik
(Andreas Schreiber) - die "Feten" bei lauter Musik rücken
beängstigend ins Bewußtsein.
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