Er (Hubert Dragaschnig) betritt die abgedunkelte Bühne. Ein karges
Zimmer mit einem Kühlschrank, einem Tisch, zwei Stühlen und
einem Bett bildet das Bühnenbild (Alex Kölbl). Eine Fleischerschürze
mit roten Flecken hat "Er" umgebunden. "Er" packt
ein großes Paket aus. Zum Vorschein kommt eine Kettensäge.
Eine Maske, "eine Lederfrsse", vervollständigt das Outfit
des Akteurs. Der Film "The Texas Chain saw Massacre" ist die
Vorlage für Bild, Traum, Erfindung. Es folgt ein grotesker Alptraum
aus Gewalt und Verzweiflung, aus Hoffnungslosigkeit und Widerspruch.
""Lederfresse" des deutschen Autors Helmut Krausser ist
die neueste Produktion des Theater KOSMOS. Ein Stück, das die scheinbar
unüberwindliche Entzweiung der Welten aufzeigt. Eine Gesellschaft
außerhalb der Individuen innerhalb der Mauern, deren Glücksmomente
gestohlene Augenblicke der außen bestehenden Bedrohung darstellen.
Filme werden real, werden zum Ausweg, um sich zur Wehr zu setzen gegen
eine Welt, die feindlich gesinnt ist. Anna Magdalena Fitzi spielt die
Freundin des Protagonisten. Zwischen Unverständnis und Frustration
pendelt sie hin und her - Höhen und Tiefen der Beziehung werden dargestellt.
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Zum Scheitern verurteilt
Die versuchte Konstruktion einer Gegenwelt beruht auf deren Kriterien,
Gewalt wird eingesetzt, um einen Gegenpol zu schaffen - der Versuch ist
von vornherein zum Scheitern verurteilt. Hubert Dragaschnig ist ein zwischen
Wahnsinn und Klarheit hin- und hergerissener "Er", Visionen
wechseln sich ab mit Untergangsstimmung. Der erfolglose Schriftsteller
und die arbeitslose Kellnerin streiten, schreien, lieben sich. Die Einsamkeit
des Einzelnen steht im Raum.
Die Inszenierung von Augustin Jagg siedelt das Stück in der Nähe
des Absurden an, Hubert Dragaschnig wütet über die Bühne,
spielt das Tragische und das Komische seiner Rolle in all ihren Facetten
aus und wurde dafür vom Publikum mit tosendem Schlußapplaus
bedacht. Anna Magdalena Fitzi personifiziert die Frau ohne Illusionen
- wohl deswegen Alkoholikerin - und deren Sehnsucht nach Glück realitätsnah.
Die Geschichte nimmt ihren Lauf. Die Polizei umstellt das Haus, nachdem
der Zugang mit der Kettensäge verwehrt wurde, weil sie annimmt, daß
die Frau gewaltsam festgehalten wird. Eine Nacht bleibt noch übrig,
die letzte Nacht, in der das Paar noch einmal seine eigen Welt aufbauen
kann, mit dem Wissen, das es am Morgen vorbei sein wird. Und das Ende
ist brutal, gewalttätig und einfach sinnlos.
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