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Wo ist die Subsprache?

VON BRIGITTE KOMPATSCHER

Auf der Hinterbühne des Festspielhauses hatte die KOSMOS-Inszenierung von "Trainspotting" Premiere. Die Aufführung ließ allerdings einige Fragen offen.


Junkies in ihrer Individualität und Persönlichkeit anzuerkennen, ihr Leben, ihre Kultur als ihre ureigenste bestehen zu lassen ist wohl die Mitteilung in einem Stück, in dem es keine Mitteilung gibt. "Trainspotting" nach dem Bestseller von Irvine Welsh ist wohl nicht zufällig in Schottland entstanden. Sucht, ob nun Alkohol, Tabletten oder Heroin, ist gerade in Schottland und England noch viel mehr Bestandteil des sogenannten normalen Lebens, als es hierzulande der Fall ist.
Die Inszenierung von Hubert Dragaschnig durch das Theater KOSMOS sollte der Versuch sein, "Junkies mit Respekt zu behandeln". Eine im Vergleich zum Buch und Film stark gekürzte Fassung wurde auf die Bühne gebracht, die allerdings Grundtendenzen beibehielt. Gewaltige, kraftvolle und grausame bis unappetitliche Szenen wurden sprachlich wiedergegeben, womit dem Stück wenig von seiner Direktheit, Roheit und Grausamkeit, die allerdings nicht verabscheuungswürdig wirkt, genommen wurde.

Ambivalenz bleibt erhalten

Gernot Plass spielt mit der Figur, ironisiert sie und nimmt sie einfach als seine Wirklichkeit hin. Trotzdem bleibt eine Ambivalenz erhalten. "Also, ich hab' mich entschieden, mich nicht fürs Leben zu entscheiden" sagt er, unternimmt aber immer wieder Versuche, vom Heroin loszukommen. Ähnlich agiert sein Freund Spud Murphy (Uwe Achilles) dem allerdings die Intelligenz von Mark fehlt. Sie leben, wie auch Sick Boy (John F. Kutil), ein weiterer Junkie, ihr Leben mit allen Tiefen, aber auch Höhen. Sie haben Spaß, müssen sich gegen Rassismus zur Wehr setzen, der ihnen eigentlich egal ist und tragen doch letztendlich selber die Verantwortung für sich - aber nur für sich.

Auf ihre Art bewältigen sie die Auftritte in der Öffentlichkeit, von den potentiellen Arbeitgebern, vor Gericht... Günter Baumann als gewalttätiger Alkoholiker Frank Begbie repräsentiert eine andere Art von Sucht.
Das Bühnenbild ist ein wenig klischeehaft den Lebensbedingungen der Figuren angepaßt, in dunklen Farben, trostlos. Die Musik, die von DJ Frank Weber zum Stück aufgelegt wird, bringt Rhythmus in das Ganze und gibt ihm Geschwindigkeit. Sie läßt eine Entwicklung erahnen, die im Geschehen, das eigentlich nicht als solches interpretiert werden kann, fehlt. Darstellung, Existenz, ein Lösen aus festgefahrenen Bildern, in die Junkies hineingepresst werden, die Ecke, in der sich alle Süchtigen wiederfinden - dies zu öffnen wird versucht. Die Personen erheben sich selber vom Objekt, dem Sie zugewiesen wurden, zum Subjekt.
Ein Aspekt allerdings geht in dieser deutschsprachigen Theaterfassung vollends verloren: die soziolinguistische Komponente, die Sprache von Buch und Film, die einen Großteil des Erfolgs ausmacht, wurde nicht übernommen. Die Schauspieler vom Theater KOSMOS sprechen deutsch, hochsprachiges Deutsch und keinen Slang, keinen Subsprache wie in den Vorlagen. Somit findet sich zwar ein Ansatz zur Darstellung einer Kultur, allerdings fehlt dabei der nicht unerhebliche Moment einer eigenen Sprache, die Abgegrenztheit und Eigenheit untermauern würde.
Last but not least ist das äußerst seltsame Verhalten des Premierenpublikums anzumerken, das sich zu keinem Applaus entschließen konnte. Ob es nun eine Form des Mißfallens war, die aber schwer erklärlich ist, oder das Verschwinden aller Schauspieler von der Bühne (das gibt es öfter), oder nur diesmal der eine, der anfängt zu klatschen gefehlt hat, kann nicht beantwortet werden. Eigenartig war es doch.