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Theater KOSMOS: Ganz schwer daneben gegriffen

VON CLAUDIUS BAUMANN

Keine Ahnung, welcher Teufel das Team vom Theater KOSMOS diesmal geritten hat: Der banale, ja phasenweise dümmliche Text von Ilias Driss' "Abwesenheiten" konnte auch von Linde Prelog und Peter Herbert nicht gerettet werden.


Besonders die letzte halbe Stunde, in der die Szenen mit der Alkoholikerin und mit der alten Frau abgesessen werden müssen (wie lange doch 95 Minuten sein können), sind von so überragender Blödheit, daß man wirklich nicht mehr weiß, ob hier der Autor, der Übersetzer oder der KOSMOS gewatscht werden soll. Was sollen solche "bedeutungsschwangeren" Sätze wie "Ich war immer auf der Seite der Tiere und nicht auf der Seite der Menschen" oder "Bin ich, oder bin ich nicht; oder bin ich und ich bin ich nicht?" Existenzialismus für Groschenromanleserinnen? Heidegger für Kretins? Oder eine ironisch gemeinte Andeutung von altersbedingter Demenz? Oder soll klargemacht werden, das Klagen alter Weiber aber noch viel schlimmer? Oder stellt sich nur ein männlicher Feminist selbst das Bein? Unbeantwortete Fragen über Fragen.
Noch unerträglicher die Szene mit der Alkoholikerin: solche Worte erwartet sich der unbeleckte Gutmensch aus dem Mund einer Trinkerin. Schnaps, der Stoff, aus dem die großen Tragödien des Lebens geschaffen sind. unterfüttert mit ein bißchen Weltschmerz, ausgepolstert mit reichlich Selbstmittleid, gerät der banalste Lebenslauf zum Welttheater griechischen Ausmaßes. Daß Alkoholiker so denken, das kann der nette Sozialarbeiter von nebenan seinem Friseur erzählen; dort kriegt das vielleicht ein von sich überzeugtes Schreibtalent mit, das gerade ein Monodram für eine etwas reifere Frau schreibt.

Zwischen Pustekuchen & Lüge

Der auch in diesem Blatt veröffentlichte KOSMOS-Pressetext behauptete, daß das Thema von "Abwesenheiten" ebenso brisant sei wie jenes von "Dirty Dishes". Diese Behauptung ist zwischen Pustekuchen und Lüge anzusiedeln.Jeder Mensch - ob Mann, ob Frau, hat seine Erinnerungen und stößt dabei auf Verletzungen, Sehnsüchte und Ängste. Das ist banal und macht - vom Theater her - noch keine Brisanz aus. Da käme es darauf an, wie mit dem Thema umgegangen wird, und bei Driss bewegen wir uns zwischen larmoyantem, yuppiskem Gequargel und den Leiden der jungen Menopause.
Schade um Linde Prelog, die aus diesem Möchterl-Text versucht, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln so etwas wie Theatralik herauszuholen. Schade um die hübsche Bühnendekoration von Sabina Kellner, die sich vielleicht auf der "ART" in Basel, im Kunsthaus in Bregenz oder in der Dornbirner Messehalle ganz gut machen würde und ebenso wie Peter Herbert (dessen Musik autonom klingt und Gültigkeit hat) verdeutlicht, daß es hier bestenfalls mit einem schlechten Hörspiel und nicht mit einem Theaterstück zu tun haben.
Strafarbeit für das KOSMOS Team: "Drei große Frauen" von Eduard Albee lesen, das im Herbst 1995 von Peter Schweiger im Stadttheater St. Gallen meisterhaft inszeniert wurde. So etwas muß Driss wohl gemeint haben.