So unterscheiden sich Nationalliteraturen: Wenn man in den angelsächsischen
Raum schaut und die Sprache jüngerer Autoren wie Nick Hornby, Roddy
Doyle, Irvine Welsh oder Hanif Kureishi bzw. Verfilmungen von deren Texten
betrachtet, dann merkt man sehr schnell den Unterschied zu den gestelzten
Hervorbringungen deutschsprachiger Autoren (einige der wenigen Ausnahmen:
Jürgen Benvenuti). Auch Nick Whitby gehört zu dieser Riege:
In seinem Stück "Dirty Dishes" greift er soziale Themen
(Schwerpunkt: massive Kapitalismuskritik und "illegale" Ausländer)
auf, ohne aber zu moralisieren oder zu belehren. Auf wessen Seite seine
Sympathien liegen, wird schnell klar.
Ein Übersetzungsfehler?
Daß die Pizzeria, in der die Handlung spielt, Dirty Dishes heißen
soll, halt ich für einen wie auch immer zustandegekommenen Übersetzungsfehler.
Die Bude beschäftigt jedenfalls lauter nicht gemeldete Ausländer,
und aus diesem Umstand leitet sich eine gegenseitige Abhängigkeit
ab: Ohne Illegale kein (oder zu wenig) Profit, ohne Schweinejob gar kein
Geld. Whitby läßt den verkörperten Kapitalismus in einer
Doppelrolle auftreten: Kurt ist ein laut herumplärrendes Schwein,
Willi ein schleimig herumlavierender Softie. Beide üben in dem Maß
auf die Belegschaft Druck aus, wie sie von ihr abhängig sind.
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Man kann davon ausgehen, daß die Schilderung der Arbeitssituation
in einer Restaurantküche nicht ganz an der Realität vorbeigeht,
zumindest was die Derbheit der Sprache und anderer Exzesse angeht (Merke:
Nicht in jedes Chilli wird hineingekotzt!). Auch die Interaktionen zwischen
den Unterdrückten und Beleidigten dürften hinhauen. Wahre Liebe
und schmutzige Zoten, Sehnsucht nach Nähe, die sich hinter sexueller
Belästigung verbirgt: das ist durchaus dem Leben abgeschaut. Die
Schlußpointe, die nicht verraten sein soll, ist aber eher der Phantasie
zuzuordnen.
Auch sehr stille Augenblicke
Dem Theater KOSMOS ist zu danken, daß es das Stück ausfindig
gemacht hat. Der zweite Dank gilt Augustin Jagg, dessen rasante Inszenierung
auch sehr stille, ergreifende Augenblicke hat und damit den reinen Klamauk
exorziert.
Schlicht großartig ist das ganze Darstellerensemble, das für
die Produktion zusammengetrommelt wurde, und auch der Rest ist vom Feinsten:
das stimmige, in Zusammenklang mit der Lichtregie äußerst clever
konzipierte Bühnenbild sowie die souverän groovende, von Paul
Winter komponierte und auf CD erhältliche Theatermusik. Nicht nur
für Theaterfreunde ein Muß!
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